Miloslav Kabelac

Vier Präludien op. 48

Verlag/Label: Bärenreiter Praha H 8022
erschienen in: organ – Journal für die Orgel 2020/02 , Seite 63

Die vier kleinen, tech­nisch schwieri­gen Prälu­di­en op. 48 von Miloslav Kabelac (1908–79), zu dessen Lehrern u. a. Alois Hába und Erwin Schul­hoff zählten, ent­standen anlässlich des „Prager Früh­lings“ 1966. Die Stücke wur­den ursprünglich in der „pro­por­tionalen Nota­tion“ geschrieben, dann aber vom Her­aus­ge­ber Jan Hora in die tra­di­tionelle Nota­tion über­set­zt. Diese sowie die ursprüngliche Nota­tion betra­gen je­weils 15 Seit­en. So kommt der Band mit den rel­a­tiv kurzen Stück­en auf 44 Seit­en Umfang. Als Teil der kri­tis­chen Gesam­taus­gabe trägt er allerd­ings bedeu­tend zum Ver­ständ­nis des Kom­pon­is­ten bei.
Die klangstarken, sen­si­blen Prälu­di­en zeigen eine detail­ge­naue Ken­nt­nis des Instru­ments Orgel. Sie beziehen das Werkprinzip, Schwell­angaben und gut zu real­isierende Laut­stärken mit ein. Mit den vie­len kri­tis­chen Anmerkun­gen ent­stand ins­ge­samt eine beacht­enswerte Veröf­fentlichung von Bären­re­it­er Pra­ha.
Mit der Über­set­zung der „space nota­tion“ in tra­di­tionelle Noten­schrift kann sich der Rezensent nur bed­ingt anfre­un­den. Zunächst fragt man sich, ob man dem Komponis­ten so wenig Absicht zutraut, dass er seine Nota­tion nicht frei wählen darf. Zudem verkom­pliziert die tra­di­tionelle Tak­t­no­ta­tion das Nota­tionsgeschehen deut­lich. Mit dem Takt gewin­nt die Musik ein Mitschwin­gen des Organ­is­ten, was der Kom­pon­ist mit sein­er freien Nota­tion offen­bar ver­mei­den wollte – die Musik soll ger­ade, ähn­lich wie bei organ2 – Aslsp von John Cage, frei fließend inter­pretiert wer­den.
Ähn­lich wie schon der zweifel­hafte, weil in tra­di­tionelle For­men pressende und verkom­plizierende Beitrag Gerd Zach­ers, Isang Yuns Tuyaux sonores (1967) tra­di­tionell aufzuschreiben, scheit­ert auch hier die Über­tra­gung in tra­di­tionelle Noten­schrift an der Sin­n­fäl­ligkeit des Unter­fan­gens sowie an der Über­set­zung eines fließen­den Musikgeschehens in einen Tak­trhyth­mus. Anders als bei Zach­ers Umschrei­bung, die der Kom­pon­ist aus didak­tis­chen Grün­den förderte, kann sich Kabelac nicht dage­gen wehren.
Pos­i­tiv ist zu erwäh­nen, dass dem Spiel­er let­ztlich bei­de Vari­anten ange­boten wer­den, wen­ngle­ich die ur­sprüngliche Hand­schrift naturgemäß immer etwas schw­er­er zu entz­if­fern ist, da sie etwas klein­er geset­zt ist.

Dominik Susteck