Unsere Kernlieder

33 ausgewählte Lieder aus dem Evangelischen Gesangbuch, Ausgabe für Flöte und Orgel von Thomas J. Astfalk

Verlag/Label: Strube Edition 3366
erschienen in: organ - Journal für die Orgel , Seite 58

Der Begriff der Kern­lieder wurde von der badis­chen und der würt­tem­ber­gis­chen Lan­deskirche geprägt. Im Jahr 2006 wurde eine Liste mit 33 Kern­liedern veröf­fentlicht, um dadurch ein gemein­sames Liedreper­toire bere­itzustellen, „das evan­ge­lis­che Chris­ten miteinan­der verbindet“.
Bis auf eine Aus­nahme ste­hen alle Kern­lieder im Stammteil des Evan­ge­lis­chen Gesang­buchs. Der größere Anteil bilden altehrwürdi­ge Choräle. Sechs Lieder gehören zum gemäßigten neuen Liedgut, ent­standen im 20. Jahrhun­dert, eines hat eine alte Melodie, aber einen Text aus dem 20. Jahrhun­dert, drei sind Kanons.
Zu allen diesen Liedern schreibt Thomas J. Ast­falk eine Into­na­tion und einen Begleit­satz, zu den Kanons nur ein Har­moni­eschema. Alle Sätze sind für Flöte in C und Orgel konzip­iert. Die Solostimme in C ist der Edi­tion beigegeben, eine Stimme in B ist über den Ver­lag kosten­frei erhältlich. Ast­falk weist aber darauf hin, dass auch ein anderes Melodie­in­stru­ment oder ein anderes Tas­tenin­stru­ment Ver­wen­dung find­en kön­nen, die Sätze auch trans­poniert wer­den können.
Das Vor­wort zu dieser Samm­lung macht wenig Lust weit­erzublät­tern. Ast­falk erge­ht sich hier in Platitü­den. Kön­nte man noch ver­ste­hen, dass sich „zur Reg­istrierung an ein­er Orgel aus bekan­nten Grün­den kaum all­ge­me­ingültiges sagen lässt“, so dürfte es selb­stver­ständlich sein, dass „es gün­stig ist, wie so oft, das Zusam­men­spiel von ein­er weit­eren Per­son in der Probe abhören zu lassen“. Dieses aber lässt sich noch steigern: „Eine Absprache der Instru­men­tal­is­ten über die Gestal­tung der Stro­phen sollte die Regel sein.“ – Dafür lässt Ast­falk die Inter­pre­ten bei den Vor­spie­len ziem­lich allein, erwartet aber musikalis­che Ein­sicht: „Es ist nicht schw­er, die musikalis­chen Inten­tio­nen der Vor­spiele zu erken­nen. Meist hän­gen sie ganz unmit­tel­bar mit dem Text des betr­e­f­fend­en Liedes zusam­men. Im Bewußt­sein dieses Zusam­men­hangs kann den Inter­pre­ten sich­er auch eine sprechende Darstel­lung gelin­gen – auch bei weit­ge­hen­dem Verzicht des Autors auf allzu viele Detailangaben zur Gestaltung.“
Wer das Vor­wort über­ste­ht, wird allerd­ings reich belohnt! Es fol­gt kreative und von spielerisch­er Lust durch­we­hte Musik. Mit einem umfan­gre­ichen Reper­toire an musikalis­chen Möglichkeit­en und großer Stil­sicher­heit gelingt es Ast­falk, auch Altherge­bracht­es lebendig, vielfältig und span­nend zu gestal­ten. Der Schwierigkeits­grad bei­der Instru­mente ist ins­ge­samt leicht (Ast­falk würde vielle­icht trotz­dem sagen: „Üben schadet nie!“). So kön­nen vielle­icht auch ein­mal musikalisch noch nicht so weit fort­geschrit­tene „Solis­ten“ aus der eige­nen Gemeinde in die Gottes­di­en­st­gestal­tung mit ein­be­zo­gen werden.
Kön­nte man über Sinn und Unsinn der Kern­lieder-Liste tre­f­flich stre­it­en, so hat sie einen unbe­stre­it­baren Vorteil: Fast alle Lieder sind eben auch Kernbe­stand im all­wöchentlichen Gottes­di­enst. So gehört die Samm­lung von Ast­falk zu den prak­tis­chsten und sin­nvoll­sten Aus­gaben, die je für die Kirchen­musik konzip­iert wor­den sind.

Ralf-Thomas Lind­ner