Werke von Gabrieli, Frescobaldi, Pasquini, Byrd, Farnaby, Sweelinck, Scheidemann und Correa de Arauxo

The Organ of the Badia Fiorentina

Giovanna Riboli an der Onofrio Zeffirini da Corta-Orgel der Badia Fiorentina (Italien)

Verlag/Label: Brilliant 95957 (2020)
erschienen in: organ - Journal für die Orgel 2021/01 , Seite 60

Bew­er­tung: 4 von 5 Pfeifen

Die Abteikirche Badia Fiorenti­na im his­torischen Zen­trum von Flo­renz gehört zu den wichtig­sten Kirchen dieser in der Kun­st­geschichte einzi­gar­ti­gen Stadt; ihr Kirch­turm ist mit mehr als 70 Metern Höhe ein­er der markan­testen in der Stadt­silhouette, und der Über­liefer­ung nach begeg­nete Dante Alighieri in dieser Kirche zum ers­ten Mal sein­er für ihn und seine Dich­tun­gen später so bedeu­ten­den Beatrice.
Darüber hin­aus ver­fügt die Badia Fiorenti­na über eine der promi­nen­testen und bedeu­tend­sten Orgeln der ital­ienis­chen Renais­sance. 1558 wurde sie von dem sein­erzeit recht berühmten toskanis­chen Orgel­mach­er Onofrio Zef­firi­ni erbaut, im Jahre 1978 über­holte man das Instru­ment und führte es in seine wohl ursprüngliche Klanggestalt zu­rück. Mit ihren lediglich sechs Reg­is­tern und ein­er sehr charakter­vollen mit­teltöni­gen Vier­tel-Kom­ma-Tem­per­atur hält diese Orgel jeden­falls eine erstaunliche Fülle an klan­glichen Möglichkeit­en vor!
Gio­van­na Riboli, die amtierende Tit­u­laror­gan­istin der Badia Fiorenti­na, wurde unter anderem am Sweel­inck-Kon­ser­va­to­ri­um in Ams­ter­dam aus­ge­bildet und stellt „ihre“ Orgel dem­entsprechend mit dem recht­en Wis­sen um das Zusam­men­wirken von Reper­toire und Instru­ment vor. Dankenswert­er­weise beschränkt sie sich nicht auf ital­ienis­che Lit­er­atur der Epoche des späten 16. und frühen 17. Jahrhun­derts, son­dern ent­fal­tet einen europäis­chen Reigen passender Tas­ten­musik. Allen einge­spiel­ten Werken ist die ursprüngliche Ableitung aus der ital­ienis­chen Musik des 16. und 17. Jahrhun­derts zueigen. Mit über­ra­schendem und sehr wirkungsmächtigem Arpeg­gian­do-Entrée begin­nt Riboli Gio­van­ni Gabrielis Toc­ca­ta del sec­on­do tono und ver­ste­ht es, die mannig­faltigen Diminu­tio­nen des Stücks sehr atmend und lebendig zu präsen­tieren. Ähn­lich­es lässt sich von ihrer unaufgeregten Herange­hensweise bei den fol­gen­den Werken Fres­cobald­is sagen. Allerd­ings befremdet bei der Toc­ca­ta nona (einem Werk, das durch seine rhyth­mis­che Kom­plex­ität nicht ganz ein­fach zu real­isieren ist) die selt­sam und etwas demon­stra­tiv anmu­tende Gestal­tung von überdi­men­sion­ierten Pausen zwis­chen den einzel­nen Abschnit­ten, obwohl ger­ade hier kaum umreg­istri­ert wird. Die Par­tite sopra la Fiorenti­na des Römers Bernar­do Pasqui­ni ist ein gutes Demon­stra­tionsob­jekt für schöne Einzel­stim­men und kluge Re­gis­terkom­binationen, während William Byrds Fan­ta­sia in a in dun­kler Klangschat­tierung sehr dicht und aufwüh­lend wirkt. Gle­ich­es gilt für Giles Farn­abys Mal Sims und Sweel­incks so berühmte Pavana Lachrimae.
Her­rlich und zugle­ich sehr gesan­glich erklin­gen die Werke von Schei­de­mann (Englis­che Mas­cara­da) und Fran­cis­co Cor­rea de Arauxo (Tien­to y dis­cur­so de segun­do tono), wie über­haupt während des Hörens dieser Auf­nahme sich kein­er­lei Langeweile auf­tut. Riboli spielt ins­ge­samt mit angenehm ruhigem Tem­po und stark­er Expres­sion. Die erstaunlich gut funk­tion­ierende Eig­nung dieser ital­ienis­chen Renais­sance-Orgel für ein bre­ites inter­na­tionales Reper­toire wird durch diese sehr per­sön­lich anmu­tende Hal­tung jeden­falls aufs Beste unter­mauert – eine schöne Porträt-CD!

Chris­t­ian Brembeck