Tobias Tobit Hagedorn

Standpunkte

Werke für Orgel und Elektronik. Dominik Susteck an der Orgel der Kunst-Station Sankt Peter Köln

Verlag/Label: Are 7028 (2022)
erschienen in: organ - Journal für die Orgel 2022/04 , Seite 63

Bew­er­tung: 4 von 5 Pfeifen

Die vor­liegende CD präsen­tiert Schlaglichter der aktuellen Musik für Orgel und Elek­tron­ik, und sie ist zugle­ich eine Porträt-CD von Tobias Tobit Hage­dorn (geb. 1987). Mit seinen 35 Jahren gehört Hage­dorn zur jun­gen Kom­pon­is­ten­gener­a­tion. Er studierte Kirchen­musik und Elek­tro­n­is­che Kom­po­si­tion in Köln sowie Kom­po­si­tion in Frank­furt am Main und unter­richtet heute selb­st an Hochschulen in Frank­furt am Main und Trossin­gen. Im Rah­men sein­er Organ­is­ten­tätigkeit ver­anstal­tet er die Konz­ertrei­he „Hör­Bar“. Für seine Kom­po­si­tio­nen erhielt Hage­dorn mehrere Preise, und er ist gegen­wär­tig Stipen­di­at in der Cité Inter­na­tionale des Arts in Paris. Gemäß Book­let­text bewegt sich seine Musik „zwis­chen Kom­po­si­tion und Pro­gram­mierung dig­i­tal beschreib­bar­er Prozesse“.
Die vier Kom­po­si­tio­nen für Orgel und Elek­tron­ik, die nun in Ein­spielun­gen mit Dominik Susteck an der Orgel vor­liegen, the­ma­tisieren akustis­che Prozesse unter­schiedlichen Mate­ri­als. Ihre Titel beze­ich­nen – hierzu passend – Bewe­gungsphänomene eines Stop-and-Go; sie laut­en: Stand­punk­te (2018), Ste­hen und Gehen (2017), Weit­erge­hen (2019) und Fol­gen (2021). Die Stücke liegen als Mitschnitte vor, die vom Deutsch­land­funk bei Konz­erten im Rah­men der Fes­ti­vals für zeit­genös­sis­che Orgel­musik „orgel-mix­turen“ in der Kun­st-Sta­tion Sankt Peter Köln in den Jahren 2019 bis 2021 aufgenom­men wur­den, d. h. sie ent­standen jew­eils nur wenig später als die Kom­po­si­tio­nen selb­st. Ihre stark mit Geräuschen durch­mis­cht­en Klangspek­tren sind in den Auf­nah­men plas­tisch wahrnehm­bar. Auch die jew­eilige Atmo­sphäre und Raumwirkung, ins­beson­dere im Miteinan­der sowie auch im Wech­sel von Orgelk­län­gen und Geräuschen, ist in den Ein­spielun­gen geban­nt. Zudem ist hier mit Dominik Susteck fra­g­los ein ide­al­er Inter­pret am Werk. Der erfahrene und durch zahlre­iche Ein­spielun­gen wei­thin bekan­nte Konz­er­tor­gan­ist für neue Orgel­musik spielt an der ihm ver­traut­en Orgel der Kun­st-Sta­tion Sankt Peter, wo er, bis 2021, 14 Jahre lang als Organ­ist wirkte.
Beina­he die Hälfte der CD-Spiel­d­auer wird von der an let­zter Posi­tion ste­hen­den Kom­po­si­tion für vier Laut­sprech­er mit dem Titel Makror­eise (2018) ein­genom­men. Das Ton­doku­ment der akustis­chen Real­i­sa­tion erlaubt – wie auch bei den vor­ange­gan­genen Stück­en – ein räum­lich­es Hinein­hören in die ver­schiede­nen Geräusch- und Bewegungskomponenten.
Im zweis­prachi­gen Book­let (dt./ engl.) find­en sich neben biografis­chen und auf­nah­me­tech­nis­chen Angaben kurze Erläuterun­gen zu den Kom­po­si­tio­nen von Tobias Hage­dorn selb­st. Die CD emp­fiehlt sich als Hörerlebnis-Reise.

Daniela Philip­pi