Anonimi Toscani (18. Jh.)

Sonate per Organo

Erstausgabe in 4 Bänden (= Frutti musicali, hg. von Jolando Scarpa, XXXIV und XXXV)

Verlag/Label: Edition Walhall, Band III (EW985) und Band IV (EW989)
erschienen in: organ – Journal für die Orgel 2019/04 , Seite 54
Die von Jolan­do Scarpa in über­sichtlichem Noten­bild vor­bildlich edierte Ric­a­s­oli Col­lec­tion, die der Musik­wis­senschaftler John A. Rice in Flo­renz ent­deck­te und nach erfol­gre­ich­er Überzeu­gungsar­beit für 80000 Dol­lar von der Louisville Uni­ver­si­ty Music Library ankaufen ließ, bietet einige span­nende Über­raschun­gen.
Die in den bei­den Bän­den Anon­i­mi Toscani (18. Jh.): Sonate per Organo vorgelegten Werke von zumeist anony­men toskanis­chen und Flo­ren­tin­er Kom­pon­is­ten vom Ende des 18. und Beginn des 19. Jahrhun­derts entsprechen dem in Ital­ien gängi­gen litur­gis­chen Reper­toire für die Messe (Toc­ca­ta, Offer­to­rio, Ele­vazione, Post Com­mu­nio) und Ves­per (Ver­set­ti) sowie ein­er Ver­set­ten­samm­lung für das Te Deum in den gebräuch­lichen Kirchen­tonarten, zusät­zlich find­et sich ein reich­er Schatz an Pas­toral­w­erken.
Was diese Samm­lung zusät­zlich beson­ders inter­es­sant macht, sind häu­fig nur durch ein­fache Buch­staben notierte Ped­alangaben und die zahlre­ichen orig­i­nalen Reg­istrierun­gen, denen Scarpa noch eine toskanis­che Quelle für ver­gle­ich­bare Reg­istrierun­gen samt ein­er Ref­eren­zdis­po­si­tion eines zeit­gle­ichen Instru­ments beifügt. Diese reich­haltige Samm­lung wäre eine enorme Bere­icherung beson­ders für die musikalisch meist asketis­chen Gottes­di­en­ste in Ital­ien, wo zwar glück­licherweise ein reich­er Bestand an häu­fig gut erhal­te­nen oder restau­ri­erten Orgeln vorhan­den ist, welch­er aber bedauer­licher­weise litur­gisch nur in homöopathis­ch­er Dosierung genutzt wird.
Josef Miltschitzky