Hermann Suter

Sonate D‑Dur für Orgel solo (1889)

hg. und kommentiert von Matthias Wamser

Verlag/Label: Verlag skmv
erschienen in: organ - Journal für die Orgel , Seite 56

Der Schweiz­er Kom­pon­ist und Or­ganist Her­mann Suter (1870–1926) gilt als mithin wichtig­ster Kom­pon­ist im deutschsprachi­gen Schweiz­er Raum um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhun­dert. Von sein­er Ton­sprache her „kon­ser­v­a­tiv­er“ als Reger und stilis­tisch eher Brahms oder auch noch Mendelssohn nah­este­hend, kom­ponierte der auch als Chor- und Orch­es­ter­diri­gent sehr erfol­gre­ich tätige Suter neben Orgel­stück­en auch kam­mer­musikalis­che wie sin­fonis­che Werke und war eben­falls auf dem Gebi­et des Instru­mentalkonz­erts erfol­gre­ich (unter anderem schrieb er ein Solokonz­ert für den damals berühmten Geiger Adolf Busch). Als Suters bekan­ntestes Werk gilt bis heute das Ora­to­ri­um Le Lau­di di San Francesco d’Assisi nach dem Son­nenge­sang des Hl. Franziskus.
Suters Sonate D‑Dur für Orgel solo von 1889, im ver­gan­genen Jahr vom Schweiz­erischen Katholis­chen Kirchen­musik-Ver­band anlässlich des 150. Geburt­stags des Kom­pon­is­ten zum ersten Mal her­aus­gegeben, ist ein etwa vier­tel­stündi­ges dreisätziges Werk des zur Entste­hungszeit erst 19-Jährigen.
Ein­er kurzen fra­gend-tas­ten­den Ein­leitung fol­gt ein schwung­haft vor­wärts­drän­gen­des Alle­gro, regelmäßig unter­brochen durch ruhigere Pas­sagen. Suter entwick­elt das motivis­che Mate­r­i­al der Intro­duk­tion geschickt weit­er und erhält so zwei sich charak­ter­lich kon­trastierende Haupt­the­men, wobei die „Keim­zelle“ des Anfangs per­ma­nent in man­nig­faltiger Gestalt durch den ganzen Satz hindurchscheint.
Der zweite, in der par­al­le­len Moll-Tonart gehal­tene ruhige und sehr lyrische Satz erin­nert durch die Seufz­er-Motivik an barocke Vor­bilder, spricht aber in Har­monik und Dynamik ein­deutig die Sprache der Roman­tik. Der das Werk beschließende dritte Satz wartet zu Anfang mit der mod­i­fizierten Intro­duk­tion des ersten Satzes auf und wird danach schwungvoll mit vorgeschrieben­em „acceleran­do“ fort­ge­set­zt. Kurz darauf schließt sich eine kleine Fuge an, in der das Ped­al recht spät, dafür the­ma­tisch aug­men­tiert auftritt. Ein orches­traler Schluss mit fan­fare­nar­ti­gen Akko­r­den bringt das Werk zu einem wirkungsvollen Ende.
Der Sonate vor­angestellt ist ein biografisch detail­liertes und infor­ma­tives Vor­wort inklu­sive Revi­sions­bericht von Matthias Wamser.
Wer jen­seits aus­ge­tre­tender Pfade Neu­land ent­deck­en möchte und eine gut klin­gende und nicht allzu schwierig zu spie­lende Musik sucht, ist hier bestens bedient.

Chris­t­ian von Blohn