Philipp Maintz

septimus angelus

symphonische betrachtungen über die apokalypse albrecht dürers für Orgel solo (2017/18)

Verlag/Label: Bärenreiter BA 11411
erschienen in: organ – Journal für die Orgel 2020/03 , Seite 57

Sep­ti­mus angelus, das neue Werk von Philipp Maintz, set­zt seine Serie avant­gardis­tis­ch­er Kom­po­si­tio­nen für Orgel fort, die er mit ähn­lichen Stück­en begonnen hat. Mit dem jet­zi­gen über­trifft er aber in Umfang und Dauer alle bish­eri­gen Kreatio­nen.
Wer die hochvir­tu­osen Stücke von Maintz gese­hen hat, wird eine große Ähn­lichkeit sein­er Orgel­w­erke untere­inan­der bemerken, in dessen Rei­he sich die erwäh­nte Aus­gabe ein­fügt. Insofern sei hier zunächst auf die Besprechun­gen von Fern­er, und immer fern­er (2007) und in nomine: coro­næ (2011) ver­wiesen. Das vor­liegende größere Werk mit ein­er Auf­führungs­dauer von nahezu 30 Minuten teilt sich in größere, ineinan­der­fließende Abschnitte. Einige Zitate der Apoka­lypse ste­hen als Inspi­ra­tion an ver­schiede­nen Stellen. Der fein gesponnene, sich aus der Chro­matik entwick­el­nde Satz baut sich polyphon orches­tral auf und entwick­elt seine Wirkung aus groß angelegten Phrasen von Steigerung und Rück­gang.
Die spär­lichen Reg­istrierungsvorschläge gehen von einem eher sym­phonisch-roman­tis­chen Klangide­al aus, wen­ngle­ich die Uraufführungs­orgel in St. Sebald in Nürn­berg (Urauf­führung: Bern­hard Buttmann) eher ein spätes neo­barock­es Instru­ment darstellt. Die Wind­schieber und andere Spezial­itäten wer­den ver­mieden. Demge­genüber ste­ht eine Übervir­tu­osität an Läufen, Akko­r­den, Liegek­län­gen und fließen­den Struk­turen in Tak­twech­seln und Tem­powech­seln, die die Ein­studierung zu ein­er span­nen­den Her­aus­forderung macht.

Dominik Susteck