Sergei Prokofiev

Peter an the Wolf op. 67

Arranged for church organ by Bjorn Vidar Ulvedalen

Verlag/Label: Cantando Musikkforlag C-3997
erschienen in: organ – Journal für die Orgel 2019/03 , Seite 56
Es ist ein wohl offenes Geheim­nis, dass Orgelkonz­erte unter jün­geren Men­schen nicht unbe­d­ingt als „hip“ gel­ten. Mag sein, dass der Alters­durch­schnitt des Konz­ert­pub­likums in den 1970er und 1980er Jahren noch deut­lich niedriger lag, aber auch damals hat man Kinder und Jugendliche in Orgelkonz­erten wohl mehr als poten­ziellen „Stör­fak­tor“ denn als „Zukun­ft“ gese­hen. Allzu lange war die Orgel­szene zu akademik­er-lastig, bes­timmt von einem grim­mig-leblosen Pseu­do-Gehabe, das mehr intellek­tueller Schein als musikalis­ches Sein war. Ein Ver­such, dem inzwis­chen halbtoten Patien­ten neue Kreise zu erschließen, ist es da, gezielt kinder­spez­i­fis­che For­mate anzu­bi­eten. Wie aber kann man Orgel­musik, wie kann man Orgelkonz­erte so lebendig, so nach­haltig prä­sentieren, dass man wed­er um die Zukun­ft des Instru­ments noch um das Aus­bleiben zukün­ftiger Hör­er Angst haben muss?
Gott sei Dank ist es auch in den meis­ten Kirchen heute kein Prob­lem mehr, ein weltlich­es Stück wie Peter und der Wolf auf­führen zu dür­fen. Prokofievs musikalis­ches Märchen ist ja in vie­len Kinderz­im­mern hin­länglich bekan­nt und der Stoff in sein­er Dra­maturgie immer noch bes­tens geeignet, Kinder zum Mit­fiebern zu brin­gen. Und vor allem: das Ganze hat ein ver­söhn­lich­es Hap­py End.
Mit der vor­liegen­den Bear­beitung des Nor­wegers Bjorn Vidar Ulvedalen liegt nun (neben der­jeni­gen von Hein­rich Grimm, die im Butz-Ver­lag erschien) eine weit­ere Orgelfas­sung des Märchens vor und erspart dem Inter­pre­ten die müh­same Adap­tion des Stücks aus der Orches­terpartitur. Freilich will und kann die Orgel kein Orch­ester adäquat erset­zen. Und hier liegt auch – wenn man so will – in diesem beson­deren Fall die Crux des Ganzen: Prokofiev ging es ja nicht in erster Lin­ie darum, ein schönes Märchen zu erzählen, son­dern expliz­it die spez­i­fis­chen Instru­mente des Orches­ters anhand aus­geprägter Charak­tere der beteiligten Pro­tag­o­nis­ten vorzustellen.
Größe und Qual­ität des zur Ver­fü­gung ste­hen­den Instru­ments voraus­ge­set­zt, lässt sich dies auf ein­er eher sym­phonisch aus­gerichteten Orgel dann auch recht überzeu­gend imi­tieren bzw. darstellen. Bei kleineren Instru­menten bedarf es da sicher­lich schon mal der klan­glichen Abstrak­tion. Oder auch nicht: denn Kinder gehen mitunter viel unbeküm­mert­er an die Sache her­an. Und den Kleinen dürfte es am Ende ziem­lich egal sein, ob die Katze nun wie eine Klar­inette schnur­rt oder nach einem typ­is­chen Orgel-Prinzi­pal klingt: Haupt­sache, der Wolf frisst sie nicht auch noch. Doch Ende gut, alles gut – wer dieses Stück auf sein Pro­gramm set­zt, der wird nicht nur unter den Kleinen ein dankbares Pub­likum find­en.
Am Anfang ste­ht etwas Mühe, doch ist der tech­nis­che Anspruch zu schaf­fen. Weitaus mehr bedarf es ein­er musikalisch lebendi­gen, eben­so mit­füh­len­den wie mitreißen­den Wieder­gabe. Und wenn dieser erste Schritt geglückt ist, find­et sich manch­es vielle­icht von selb­st …
Wolf­gang Valerius