Orgellandschaft Dänemark, Vol. 2

Werke von Maurice Duruflé, Marcel Dupré, Olivier Messiaen, Johannes Brahms und Charles-Marie Widor

Verlag/Label: Querstand VKJK 0701(2009)
erschienen in: organ 2009/03 , Seite 56

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Der bleibende Wun­sch nach ein­er qual­itätvollen „Uni­ver­sa­lorgel“, auf der möglichst die Orgel­lit­er­atur un­­terschiedlichster Epochen sowie na­tionaler Schulen einiger­maßen über­zeugend auf­führbar sein soll, war und ist stets mit gewis­sen kün­st­lerischen Ein­schränkun­gen und ein­er zwangsläu­fig daraus resul­tieren­den Gesicht­slosigkeit solch­er Instru­mente ver­bun­den. Dies gilt in gewis­sem Umfang auch für die auf der vor­liegen­den CD erklin­gende nor­wegis­che Olson/Lund-Orgel. Neben je ein­er überblasenden Flûte har­monique in Haupt- und Schwell­w­erk be­gegnen zuhauf Reg­is­ter­na­men, die eher für (neo-)barocke Orgeln nord­deutscher Prove­nienz typ­isch sind.
In dem mehrsprachi­gen (D/E/F) Book­let ist allerd­ings expliz­it ver­merkt, dass „das Instru­ment […] sich heute zu Darstel­lung eines sehr bre­it­en Spek­trums der Orgel­lit­er­atur, beson­ders aber zur Darstel­lung der franzö­sisch-sym­phonis­chen Mu­sik [eigne]“. Dahin­ter muss man ein deut­lich­es Frageze­ichen set­zen, denn allzu sym­phonisch geriert sich die Dis­po­si­tion (und auch die Into­na­tion) des einge­spiel­ten Orgel­w­erks nicht. Auch die räum­lichen Dimen­sio­nen der „Domar­chitek­tur“ von Mari­bo ge­währleis­ten nicht die für die franzö­sis­che Kathe­dral­musik or­gelsinfonischen Zuschnitts notwendi­ge Kathedral­akustik bzw. in ihr evozierte „Kathe­dralmys­tik“.
Trotz des leicht gleißen­den Diskan­tk­langs stellt sich in der ersten Duru­flé-Kom­po­si­tion wirkungsvoll kaum car­il­lonar­tiger Glanz ein. Was bei den aus­gewählten Sta­tio­nen aus Duprés Kreuzweg jedoch gravieren­der ins Gewicht fällt, gilt merk­würdi­ger­weise für die meis­ten übri­gen franzö­sis­chen Stücke auf der CD. Der Hör­er ver­misst etwas den zupack­enden, lei­den­schaftsvollen Aus­druck des im Übri­gen tech­nisch makel­losen Vor­trags. Ungers Spiel­weise wirkt allzu akku­rat bis ana­lytisch und eben emo­tion­sarm (was der Ästhetik Duprés auf der Orgel vielle­icht noch am ehesten entgegenkommt). 
Einen anderen Ein­druck hin­ter­lässt bei dieser Ein­spielung die Musik von J. S. Bach und Brahms. Die Choral­bear­beitung BWV 1095 ist mit her­rlich „sprechen­den“ Stim­men instru­men­tiert, und nicht zulet­zt das vornehm zurück­hal­tende Tremo­lo des Can­tus fir­mus stimmt her­vor­ra­gend in die vom Organis­ten vorgegebene The­matik „Christi Lei­den und Aufer­ste­hung“ ein. Für das Choralvor­spiel „O Trau­rigkeit“ von Brahms ist der ein­drucksvoll stre­ichende, bewusst romantisieren­de Klang hier ger­adezu opti­mal. Einen ver­söhn­lichen und auch klan­glich dur­chaus imposan­ten Ausklang bildet das mit hin­reißen­der Verve musizierte öster­liche Finale (über: Haec Dies) der – hier mit drei Sätzen unver­ständlicher­weise lei­der nur als Tor­so einge­spiel­ten – (vier­sätzi­gen!) zehn­ten und meis­ter­lichen let­zten Orgel­sym­phonie Widors: La Romane.

Chris­t­ian Ekowski