Werke von D. Buxthehude, J. S. Bach, J. Pachelbel, Ch. W. Druckenmüller, Daniel Erich, Daniel Magnus Gronau, G. F. Händel, Georg Dietrich Leyding und J. L. Krebs

Orgel in St. Jacobi zu Stralsund

Martin Rost, Orgel

Verlag/Label: Querstand VKJK 211 (2020)
erschienen in: organ - Journal für die Orgel 2021/03 , Seite 61

Bew­er­tung: 2 von 5 Orgelpfeifen

Hin­ter dem spek­takulären Orgel­ge­häuse mit drei übere­inan­der ange­ord­neten Man­u­al­w­erken und seitlich ange­baut­en Ped­altür­men ste­ht eine Orgel mit 51 Reg­is­tern, die der Tra­di­tion von Got­tfried Sil­ber­mann verpflichtet ist. Das von der Dres­dener Orgel­w­erk­statt Kris­t­ian Wegschei­der erbaute und im Sep­tem­ber 2020 fes­tlich eingewei­hte Instru­ment ent­fal­tet auf der CD seine volle klan­gliche Schön­heit mit den vier aus­gewählten Vol­un­taries von Hän­del. Eben­so ein­drucksvoll klingt die Fan­ta­sia in g (alla Ele­vazione) von Johann Pachel­bel mit den Reg­is­tern Prin­ci­pal 8’ und Lamen­to (= Schwe­bung) 8’. Eine Über­raschung bietet die vierte der Vari­a­tio­nen Allein Gott in der Höh’ sei Ehr’ von Daniel Mag­nus Gronau, bei der die Pauke (eine tiefliegende Schwe­bung) gezo­gen ist.
Anson­sten präsen­tiert die CD die Wegschei­der-Orgel beson­ders im Organo pleno eher blass und etwas ped­al­lastig, obwohl der Auf­nahme-Stand­punkt so gewählt ist, dass die Orgel nicht in der Rau­makustik unterge­ht. Trotz­dem geben die ver­schiede­nen gewählten Reg­istrierun­gen die klan­glichen Möglichkeit­en der Orgel umfassend wieder.
Die CD bietet außer den be­-reits oben erwäh­n­ten Werken etliche Kom­po­si­tio­nen, die sel­ten zu hören sind. Dazu zählen zwei kühne Choral­har­mon­i­sa­tio­nen des jun­gen Johann Sebas­t­ian Bach, ein dreisät­ziges Con­cer­to in D von Christoph Wolf­gang Druck­en­müller (1687–1741) sowie Choral­bear­beitun­gen von Daniel Erich (1649–1712), Diet­rich Ley­d­ing (1664–1710) und Daniel Mag­nus Gronau (1685– 1747) – let­ztere sind außergewöhn­lich eigen­willig und interessant.

Beson­ders hörenswert sind die aus­gewählten Kom­po­si­tio­nen von Johann Lud­wig Krebs (1713–80): die vier schö­nen kleinen Prae­lu­di­en, die eingängige Fan­ta­sia à gus­to Ital­iano und die mon­u­men­tal dargestellte Fuge über B‑A-C‑H.
Dem hohen Reper­toirew­ert der CD mit Werken „Johann Sebas­t­ian Bachs, sein­er Lehrer- und Schü­ler­gen­er­a­tion“ (Book­let) ste­ht die Frage gegenüber, was deren Inter­pre­ta­tio­nen durch Mar­tin Rost ausze­ich­net. Alles ist ordentlich und gut gespielt, aber es fehlen u. a. Vor­bere­itun­gen von The­men- oder Solostim­men-Ein­sätzen, aus­gestal­tete Finalk­lauseln oder rhetorische Emo­tio­nen. Das führt dazu, dass langsame Sätze und kürzere Stücke als gelun­gener überzeu­gen als größer angelegte Werke.
Das infor­ma­tive Book­let beschreibt auf Deutsch und Englisch aus­führlich die Geschichte der Orgel, die gewählten Reg­istrierun­gen und die Vita des Organ­is­ten. Außer­dem find­et sich darin ein Essay von Chris­t­ian Wegschei­der über seinen Werde­gang und seine Werkstatt.

Wol­fram Syré