Gwyn Pritchard

Nun ruhen alle Wälder

Choralvorspiel für Orgel

Verlag/Label: Verlag Neue Musik Berlin, NM 3229
erschienen in: organ - Journal für die Orgel 2021/03 , Seite 58

Gwynn Pritchard wurde 1948 im britis­chen York­shire geboren, studierte Vio­lon­cel­lo und Komposi­tion an der Roy­al Scot­tish Acad­e­my of Music in Glas­gow, war Direc­tor of Music an der Sal­is­bury Cathe­dral School und arbeit­ete als Cel­list bei der BBC. Als Diri­gent und Kom­pon­ist machte er sich bald bei inter­na­tionalen Fes­ti­vals einen Namen und arbeit­et als Gast­dozent bei renom­mierten Musikinstitutionen.
Pritchards Werke wer­den in Eu­ro­pa, Ameri­ka, Aus­tralien, Chi­na, Hongkong, Mexiko, Neusee­land und Süd­ko­rea aufge­führt. Zu den Fes­ti­vals gehörten der Warschauer Herb­st, das Hud­der­s­field Con­tem­po­rary Music Fes­ti­val, Wien Mod­ern, die ISCM World Music Days, Tan­gle­wood (USA), die Inter­na­tionale Woche für neue Musik in Dae­gu (Süd­ko­rea), Weimar und viele andere weltweit. Mehrere Stücke wur­den von BBC, RAI, SWR und mehreren anderen Net­zw­erken aus­ges­trahlt. Er lehrt als Pro­fes­sor für Con­ser­va­toire of Music and Dance.
Jüng­ste Pro­jek­te von ihm sind ein Orch­ester­stück für die Jenaer Phil­har­monie, ein Solo-Klavier­stück als Beitrag zum 250-jähri­gen Jubiläum von Beethoven in Bonn, zwei Quin­tette für Ensem­ble und ein Stre­ichquar­tett für ein Konz­ert in Danzig – und eben auch zwei Orgel­stücke aus dem Jahre 2020. Das kom­plexe und hoch beein­druck­ende Orch­ester­stück The Fir­ma­ment of Time kann man mit dem BBC Sym­pho­ny Orches­tra auf YouTube erleben. Der Ver­lag Neue Musik Berlin hat sich in zahlre­ichen Aus­gaben sein­er Werke angenommen.
Das Choralvor­spiel „Nun ruhen alle Wälder“ fängt als Choral­trio an, zwei Zwölfton­rei­hen grup­pieren sich um den can­tus fir­mus in der linken Hand, die Ober­stimme in Sechzehn­teln, die Unter­stimme in Gegen­be­we­gung dage­gen ruhiger. In kon­se­quenter the­ma­tis­ch­er und mo­tivischer Arbeit wer­den lin­ear geset­zt die Zwölfton-The­men und Choral­mo­tive weit­erge­führt, immer wieder die Choralzeilen in der linken Hand irisierend umspie­lend. Die rechte Hand spal­tet sich in zwei Stim­men auf, dann die linke eben­so und das Stück klingt in einem erlöstem D‑Dur Akko­rd nach ein­er rhyth­mis­chen Kli­max ruhig aus.
Chorale Pre­lude on an orig­i­nal theme ist vier­stim­mig geset­zt und bringt Pritchards eigene choralar­tige Melodie, die übri­gens zeilen­weise jew­eils tonal exponiert wird, mit
fil­igra­nen Zwis­chen­spie­len in Verbindung. Das Pre­lude ist in der Kom­po­si­tion­stech­nik und im Affekt Pritchards „Nun ruhen alle Wälder“ doch recht wesensver­wandt. Bei­de Stücke sollen sehr langsam (Vier­tel = 40) gespielt wer­den und sind daher tech­nisch über­schaubar. Großar­tig, dass sich ein ver­siert­er Vertreter den Neuen Musik der Orgel zuwendet!

Ste­fan Kagl