Joyful Winds & Playful Pipes

Orgelklang und Flötenzauber, Vol. 3

Verlag/Label: Bezugsadresse: www.orgelklang-floetenzauber.de
erschienen in: organ - Journal für die Orgel 2021/01 , Seite 62

"Die CD vereinigt mustergültig die nahe verwandten Klangsysteme verschiedener Flöten und Rohrblatt-Instrumente mit den Re­gistern der Orgel zu einer perfekten Symbiose." (Markus Zimmermann)

Andrea Will, Flöte, Pic­co­lo und Pic­co­lo in F; Wolf­gang Pohl, Oboe und Englis­chhorn; Hans-André Stamm an der Fleit­er-Orgel der Pfar­rkirche Raesfeld

Bew­er­tung: 4 von 5 Pfeifen

Die Musik Hans-André Stamms zeichne sich aus durch „mitreißende Frische, folk­loris­tis­che Ele­mente, ungewöhn­liche Klang­far­ben und le­­bendige Rhyth­men“, so ver­spricht es der Bei­t­ext. In der Tat zeigen nicht nur die Eigenkom­po­si­tio­nen des rühri­gen Lev­erkusen­er Orga­nis­ten diese Merk­male, son­dern auch seine Bear­beitun­gen (Antonín Dvo­řák, Stan­­ley Myers, Engel­bert Humperdinck, Karol Svo­bo­da). Vieles erin­nert an das erfol­gre­iche Duo von Pan­flöte und Orgel mit Ghe­o­rghe Zam­fir und Mar­cel Cel­li­er aus den 1970er Jahren.
Ein weit­er­er Vorzug dieser keineswegs akademisch aus­gerichteten Pro­duk­tion: Sie vere­inigt mustergültig die nahe ver­wandten Klangsys­teme ver­schieden­er Flöten und Rohrblatt-Instru­mente mit den Re­gistern der Orgel zu ein­er per­fek­ten Sym­biose. Beson­ders reizvoll inte­gri­ert ist das Englis­chhorn als sel­tener Part­ner der Orgel. Let­ztere ist ein von der Fir­ma Fleit­er 2016/17 in der Kirche St. Mar­tin in Raes­feld (West-Mün­ster­land) um ein Schwell­w­erk erweit­ertes Instru­ment; ver­wen­det wurde ein 1989 von Breil erbautes Werk aus ein­er pro­fanierten Kirche. (Diese Infor­ma­tio­nen müssen sich Inter­essierte allerd­ings ander­weit­ig beschaf­fen.) Son­derkop­peln und die Einzel­ton­s­teuerung des Zubaus bieten zusät­zliche Reg­istri­er­möglichkeit­en, die Stamm reich­lich und gekon­nt nutzt. Sind auch gele­gentlich leichte Ver­stim­mungen zu hören, so zeigt dieses Beispiel, was aus ein­er einst wohl eher unschein­baren Gebrauch­sorgel her­auszu­holen ist.
Die drei Musik­er des Trios sind exzel­lent aufeinan­der einge­spielt und agieren mit hör­barem Vergnü­gen. Trotz einiger Ruhe­p­ole im Pro­gramm der Auf­nahme meint man nach den 68 Minuten die Ingre­dien­zien (siehe oben) der Stücke zu ken­nen. Aber dies ist keineswegs ein Nachteil: Ger­ade im Orgel­jahr 2021 wäre es schön, wür­den in den für ein neues Pub­likum gedacht­en Ver­anstal­tun­gen sowie hie und da in Gottes­di­en­sten so fröh­liche Stü­cke auf­tauchen. Um auf Orgel und Orgel­musik neugierig zu machen eignet sich der­lei Reper­toire weitaus bess­er als manche kon­tra­punk­tisch noch so kor­rek­te und noch so authen­tisch exerzierte Choral­bear­beitung. Schließlich haben auch Sweel­inck, Schei­dt oder Hän­del nicht nur schwere Kost ver­mit­telt, son­dern immer wieder mit dem ihr Pub­likum unter­hal­ten und erfreut, was im besten Sinn gefäl­lig war.

Markus Zim­mer­mann