Werke von G. Muffat, G. Frescobaldi, D. Buxtehude, J. S. Bach, J. L. Krebs, G. F. Händel, C. Debussy und M. Reger

Ins Licht

Die Orgeln im St.-Petri-Dom zu Bremen. Stephan Leuthold, Orgel

Verlag/Label: Querstand VKJK 2106 (2021)
erschienen in: organ - Journal für die Orgel 2022/02 , Seite 59

Bew­er­tung: 4 von 5 Pfeifen

Auf seinem Album stellt Domor­gan­ist Stephan Leuthold die fünf Orgeln des Bre­mer Doms vor – in ein­er musikalis­chen Wan­derung von Osten nach West­en. Im weitläu­fi­gen Dom mit sein­er bewegten Baugeschichte entsprechen den fünf Orgeln auch fünf unter­schiedliche Räume, deren jew­eilige Akustik Klaus-Jür­gen Kam­prads Auf­nahme angenehm plas­tisch einfängt.
Den Anfang macht die Orgel im Hochchor, erbaut 2002 von Kris­t­ian Wegschei­der. Vor­bilder sind Sil­ber­manns ein­man­u­alige Orgel auf Prinzi­pal 8’, und in Muf­fats Toc­ca­ta VIII aus dem Appa­ra­tus, von Leuthold klar und leb­haft gespielt und reg­istri­ert, zeigt sie schöne Bal­ance aus Fülle, Hel­ligkeit und Artiku­la­tion. Weit­er geht es in der Ostkryp­ta, wo eine Holzpfeifenorgel Ger­rit Klops von 1991 ste­ht, erbaut als ital­ienis­ch­er „organo di leg­no“. In der „Can­zon dopo l’epistola“ der Son­ntagsmesse und der „Berga­m­as­ca“, bei­de aus Fres­cobald­is Fiori musi­cali, demon­stri­ert Leuthold die delikate Ansprache der Holzreg­is­ter und die Leuchtkraft des Rip­ieno. Erfreulich auch hier: Leutholds atmend gliedern­des, sin­gend artikuliertes Spiel.
Es fol­gt die Vorstel­lung der „Bach-Orgel“ der Gebrüder van Vulpen von 1966 an der Ost­wand des Nord­schiffs. Ihre schlanke Schärfe, kom­biniert mit charak­ter­vollen Zun­gen­reg­is­tern, weist sie in Diet­rich Bux­te­hudes d‑Moll-Toc­ca­ta BuxWV 155 – großzügig rhetorisch gegliedert – und Bachs Choral „Herr Jesus Christ, dich zu uns wend’“ BWV 709 als gelun­ge­nes Instru­ment des Neo­barock aus, freilich mehr nord­deutsch als thüringisch geprägt. In der bril­lant gespiel­ten Guil­mant-Bear­beitung der Kan­tatensin­fonie aus BWV 29 zeigt sie in gleißen­den Ple­na ihr neok­las­sis­ches Gesicht.
Das far­bkräftige Sil­ber­mann-Pos­i­tiv in der West­kryp­ta, erbaut für Etz­dorf 1733, restau­ri­erte Kris­t­ian Wegschei­der 1993 und gab ihr dabei die in Wall­ro­da orig­i­nal erhal­te­nen Reg­is­ter Rohrflöte 8’, Rohrflöte 4’ und Octa­va 2’ wieder. Ihren in der niedri­gen Kryp­ta beson­ders leb­haften Klang, ein­schließlich des inten­siv­en Trem­u­lanten, stellt Leuthold mit eine kurzen Orgelmesse vor: den Man­u­aliter-Kyriesätzen aus Bachs 3. Teil der Clavierübung und Praeam­bu­lum und Fughet­ta über „Allein Gott in der Höh sei Ehr“ aus Krebs’ Clavierübung. Beson­ders schön klin­gen hier zwei Sätze aus Hän­dels Cem­balo­suite Nr. 2.
An der Sauer-Orgel von 1894/ 1905 auf der West­em­pore, nach Umbaut­en 1939 und 1958 von Chris­t­ian Schef­fler 1993 restau­ri­ert, erklingt eine weit­ere „Berga­m­as­ca“: „Clair de lune“ aus Debussys Suite berga­masque, schim­mernd in den Sauer­schen Stre­icher­far­ben. Haupt­stück ist Regers „Wachet-auf“-Fantasie op. 52, 3. Auch hier find­et Leuthold überzeu­gende Far­ben und eine dichte, expres­sive Spiel­weise, die diesem „wilden Reger“ vol­lkom­men entspricht. Allerd­ings wirkt die West­orgel, bei inten­siv­en Far­ben in mit­tlerer und hoher Lage, in der Auf­nahme klan­glich etwas dis­tanziert­er – vielle­icht eine Eige­nart des Raums; es lohnt der Ver­gle­ich etwa mit Wein­berg­ers (cpo) oder Schmed­ings (Cybele) Reger-Auf­nah­men. Das Book­let enthält die Dis­po­si­tion, eine kurzge­fasste Baugeschichte und Bilder zu jedem Instrument.

Friedrich Spron­del