Himmelstöne

Die Orgelbaudynastie Klais

Verlag/Label: Florianfilm
erschienen in: organ 2012/01 , Seite 58

André Schäfer dokumentiert mit seinem Film von eher kurzweiligen 85 Minuten mit dem etwas pathetisch-klischeehaften Titel Himmelstöne die mittlerweile fünf Generationen der rheinischen Orgelbauerfamilie Klais. Der Film beginnt mit einer Szene, in welcher Jean Guillou (Paris) am Zentralspieltisch der Orgel­anlage des Kölner Doms en­thusias­tisch bekennt: „Ich würde gerne jeden Morgen und jede Nacht hier […] spielen!“ Nicht weniger angetan äußert sich auch der musikalische Hausherr, der Kölner Domorganist und Hochschulprofessor Winfried Böning, über die Dom­orgeln aus dem Hause Klais, einschließlich der als Opus 1000 errichteten Schwalbennestorgel, die mit ihren 30 Tonnen Gewicht an vier Stahlseilen am nördlichen Dachgewölbe aufgehängt ist und an denen Böning furchtlos rüttelt, sowie der 2006 ergänzten Hochdrucksektion mit bis zu 1000 mm/ WS.
In durchweg vorbildlicher Kameraführung werden die einzelnen Arbeitsschritte in den Bonner Werkstätten demonstriert – vom Gießen und Ziehen der Metallpfeifen, dem Zusammenbau der Trakturen und dem provisorischen Aufbau in der Montagehalle in der Kölnstraße bis hin zur Installation am endgültigen Aufstellungsort. Als Beispiele werden Instrumente in San Sebastián, St. Michaelis in Hamburg, in der Hamburger Elbphilharmonie und in der Christuskirche Karlsruhe filmisch dokumentiert. Einen etwas kuriosen Exoten bildet hierbei die recht ansehnliche dreimanualige „Hausorgel“, die Philipp Klais in die unwegsame Abgeschiedenheit der Scottish Highlands auslieferte, zum Privatvergnügen eines betuchten Londoner Geschäftsmanns und Orgelfreundes; sämtliche Einzelteile des Werks mussten mit geradezu spektakulärem Aufwand Stück für Stück per LKW und Hubschrauber an Ort und Stelle verbracht werden. Sachliche Erläuterungen von Seniorchef Hans-Gerd Klais zum Stilwandel von Generation zu Generation oder seinem Sohn und derzeitigem Geschäftsführer des Familienunternehmens Philipp C. A. Klais beispielsweise über die Auswahl der verwendeten Holz­arten runden die technischen As­pekte des Films ab.
Zugleich wird dem Zuschauer die familiäre Seite der Klais’schen Orgelbauerdynastie lebendig nahegebracht. Hans-Gerd Klais erzählt, mit der obligatorischen Zigarre in der Hand, von den ersten Orgeln, die sein Großvater Johannes Klais in den im Wesentlichen noch heute bestehenden Werkstatträumen fertigte, vom Stolz eines Großvaters über die erfolgreiche Arbeit seines Sohnes Philipp und von den musikalischen Hoffnungen der Enkel. Ergänzend gewährt das Drehbuch gewisse Einblicke in die private Wohnung oder Firmenbüros gleich neben den Fabrikationsräumen. Di­verse Mitarbeiter geben zudem Auskunft über ihre persönliche Einstellung zum Orgelbauerberuf.
Mit den virtuosen Schlusstakten seiner Toccata beschließt im Kölner Dom unter großem Applaus des Publikums Jean Guillou einen Film, mit welchem der WDR und Arte der Firma Klais fraglos auch ein üppiges „Werbegeschenk“ spendiert haben …!

Christian Ekowski