Fischer & Kerll at the Arp-Schnitger Organ of the Monastery of Moreira da Maia (Portugal)

Rui Fernando Soares, Orgel

Verlag/Label: Brilliant Classics 96412 (2022)
erschienen in: organ - Journal für die Orgel 2022/02 , Seite 59

Bew­er­tung: 5 von 5 Pfeifen

Arp Schnit­ger (1648–1719) war nicht nur ein­er der berühmtesten, son­dern auch pro­duk­tivsten Orgel­bauer sein­er Zeit. Aus dem Verze­ich­nis sein­er Instru­mente lassen sich Liefer­un­gen nicht nur nach Nord­deutsch­land und in die Nieder­lande, son­dern sog­ar in entle­genere Län­der wie Spanien, Por­tu­gal, Brasilien, Rus­s­land und Eng­land bele­gen. Im Jahre 1701 beispiel­sweise ver­fer­tigte er zwei zwölfregis­trige Orgeln mit jew­eils zwei Man­ualen (und ohne Ped­al), die für Por­tu­gal bes­timmt waren. Über deren weit­eren Verbleib bis zum späten 20. Jahrhun­dert waren entsprechende Infor­ma­tio­nen kaum zu erhalten.
Als der renom­mierte deutsche Orgel­bauer Georg Jann (der zeitweise in Por­tu­gal eine Werk­statt unter­hielt) 1986 auf die Orgel der Klosterkirche S. Sal­vador in Mor­eira da Maia aufmerk­sam wurde, ver­mutete er auf­grund der Bauweise und der optis­chen Erschei­n­ung Arp Schnit­ger als Erbauer – ein sich später anhand ein­er in der Orgel vorge­fun­de­nen Inschrift erhär­tender „Ver­dacht“: „An[no Domi] 1701 Den 9. Maij / Ist Di[ese Orgel ver]fertiget. Danach / Das In­[stru­ment?] durch die handt des / Her­ren H.H. Arp Schnit­ger / Orgel mach­er in Ham­burg“. Durch großzügige finanzielle Unter­stützung durch die Bun­desre­pub­lik Deutsch­land kon­nte das Instru­ment 1999 bis 2001 durch Jann restau­ri­ert wer­den. Vorherige Umbaut­en scheinen glück­licher­weise so gut wie nicht stattge­fun­den zu haben, so dass man von einem weitest­ge­hen­den Orig­i­nalzu­s­tand sprechen kann. Lediglich Details an den Zun­gen­stim­men und der von Mäusen an den Pfeifen­füßen zer­fressene Prospek­t­prin­ci­pal mussten erset­zt werden.
Der junge por­tugiesis­che Organ­ist und Cem­bal­ist Rui Fer­nan­do Soares hat nun ein klin­gen­des Porträt dieses her­rlichen Instru­ments vorgelegt, wobei er sich in kluger Dis­po­si­tion seines Pro­gramms auf Werke lediglich zweier bedeu­ten­der Meis­ter der Erbau­ungszeit der Orgel konzen­tri­ert hat. Dem uns über­liefer­ten Schaf­fen von Johann Cas­par Ker­ll (1627–93) und Johann Cas­par Fer­di­nand Fis­ch­er (ca. 1656– 1746) sind – her­vor­ra­gend passende – Vari­a­tion­swerke und Einzel­sätze zur Präsen­ta­tion des reichen klan­glichen Fun­dus’ der Schnit­ger-Orgel ent­nom­men. Auszüge aus Fi­schers Musi­calis­chem Par­nass (hier wiederum aus den Suit­en Uranie und Euterpe) porträtieren her­rliche Einzel­stim­men und divers zusam­mengestellte Ple­na, die „Best of“-Auswahl der Ker­llschen Tas­ten­musik (Battaglia, Pas­sacaglia und Capric­cio sopra il Cucu) set­zt diese prachtvolle Klangdemon­stra­tion fort.
Dass diese CD richtig Hör­freude macht, ist neben der sehr natür­lich und großräu­mig klin­gen­den Tonauf­nahme dem musikan­tis­chen, fan­tasievollen und extrem lebendi­gen Spiel Rui Fer­nan­do Soares’ zu danken. Vor allem die beson­dere Ele­ganz seines cem­bal­is­tisch geprägten Anschlags hat mich sehr überzeugt, so dass ich diese Ein­spielung gerne mit der höch­st­möglichen Bew­er­tung verse­hen empfehlen möchte. Einziger Wer­mut­stropfen: Die Dis­po­si­tion der Orgel ist im recht schmalen, nicht allzu sorgfältig redigierten englis­chsprachi­gen Book­let lei­der nicht abgedruckt …

Chris­t­ian Brembeck