Max Reger

Dreißig kleine Choralvorspiele zu den gebräuchlichsten Chorälen op. 135a

Revidierte Einzelausgabe aus der Reger-Werkausgabe

Verlag/Label: Carus 52.877
erschienen in: organ - Journal für die Orgel , Seite 56

In dem sehr umfan­gre­ichen, im Ver­gle­ich zu seinen Zeitgenossen fast mono­lithisch zu nen­nen­den Orgel­w­erk Max Regers (1873–1916) nehmen seine Dreißig kleinen Choralvor­spiele zu den gebräuch­lich­sten Chorälen op. 135 eine beson­dere Stel­lung ein. Nicht von Regers son­st üblich­er Schwierigkeit und Kom­plex­ität zwar, stellen sie trotz­dem eine litur­gis­che „Gebrauchsmusik“ im allerbesten Sinne dar.
Im August 1914 bit­tet Reger den Meininger Kan­tor Her­mann Langguth um Nen­nung der am häu­figsten im Gottes­di­enst gesun­genen Choräle unter Angabe der gebräuch­lich­sten Tonarten, um ein Gle­ich­es wenig später den The­olo­gen und Musik­wis­senschaftler Fritz Stein. Ende Sep­tem­ber schon kündigt er dem Sim­rock-Ver­lag eine Samm­lung von „… Choralvorspiele[n] für die Orgel, denkbar ein­fachst u. leicht­est, so daß sie jed­er Lan­dor­gan­ist spie­len kann …“ an. Er wäre falsch, dieses recht späte Opus in Regers Schaf­fen dieser Beschrei­bung wegen ger­ingzuschätzen, denn ger­ade in der Beschaf­fen­heit der rel­a­tiv leicht­en Aus­führbarkeit in Verbindung mit ein­er erlese­nen Har­mon­isierung, dem sehr aus­d­if­feren­zierten Arrange­ment hin­sichtlich Man­u­alverteilung und Dynamik sowie der raf­finierten und ein­fall­sre­ichen Can­tus-fir­mus-Behand­lung zeigt sich die Meis­ter­schaft des Komponisten.
Die im Druck alpha­betisch ange­ord­neten Melo­di­en geben nicht die Rei­hen­folge ihrer Entste­hung wieder. So beschäfti­gen sich die ers­ten ent­stande­nen Choräle the­ma­tisch zumeist mit seel­is­ch­er Not und Gottver­trauen, was auch vor dem Hin­ter­grund des ger­ade aus­ge­broch­enen Ersten Weltkriegs gese­hen wer­den kann.
Die in jed­er Hin­sicht der Beschäf­ti­gung lohnenswerten Stücke sind im ver­gan­genen Jahr in ein­er rev­i­dierten Einze­laus­gabe inner­halb der Reger-Werkaus­gabe beim Carus-Ver­lag neu erschienen, her­aus­gegeben von Alexan­der Beck­er. Der hochfor­matige Druck ist angenehm anzuschauen, ein lesenswertes Vor­wort sowie ein aus­führlich­er kri­tis­ch­er Bericht sind beigegeben.
So sind diese kleinen musikalis­chen Pre­tiosen ein­er­seits Inspira­tionsquelle für die Behand­lung von Chorälen und ander­er­seits eine gute Möglichkeit, sich dem Orgelti­ta­nen Max Reger auf kom­mode Weise anzunähern.

Chris­t­ian von Blohn