hg. vom Evang.-Luth. Pfarramt St. Georg Markt Nordheim

Die Ehrlich-Orgel zu Markt Nordheim

Festschrift zur Einweihung der Johann Bernhard Ehrlich-Orgel nach der Restaurierung durch Orgelbau Waltershausen 2018–2019

Verlag/Label: Markt Nordheim 2019, 108 Seiten (Bezug: Evang.-Luth. Ehegrund, Haus Nr. 114, 91478 Markt Nordheim)
erschienen in: organ - Journal für die Orgel 2021/01 , Seite 53

Das Beispiel Nord­heim am Main zeigt es ein­mal mehr: Orgeln in der soge­nan­nten Prov­inz sind, selb­st wenn „nur“ ein­man­u­alig, immer wieder ein­ma­lige Kunst­werke von dur­chaus über­re­gionaler Bedeu­tung. 1786 errichtete Bern­hard Ehrlich aus Wach­bach (Main-Tauber-Kreis) hier ein repräsen­ta­tives Werk mit 13 Reg­is­tern in einem schmuck­en Spät­barock­ge­häuse. Mit seinen über­durch­schnit­tlich vie­len Farb­registern ste­ht es nicht nur am Schnittpunkt zwis­chen der süd­deutschen und der thüringis­chen Orgel­tra­di­tion, son­dern auch am Über­gang vom galanten zum roman­tis­chen Musik­stil. Nach­dem 1917 die Prospek­tpfeifen sog­ar von der Abliefer­ungspflicht befre­it wor­den wa­ren, opferte man diese ohne Not bei einem gravieren­den Umbau 1960/ 61. Den­noch kon­nte die mit diesem Instru­menten­typ beson­ders erfahrene Werk­stätte Orgel­bau Wal­ter­shausen das Werk wieder weitest­ge­hend in jenen Zus­tand und Glanz zurück­führen, in dem es zur Mozart-Zeit erstrahlt.

Über­aus ansprechend ist auch die Festschrift zur Wiedere­in­wei­hung 2019 aus­ge­fall­en. Den acht Gruß­worten fol­gen pro­funde und gut les­bare Beiträge zu Geschichte und Restau­rierung des Instru­ments; beson­ders lesenswert sind die Gedanken von Rain­er Goede zur passenden Musik aus später Klas­sik und Frühro­man­tik. Stamm­bäume der Orgel­bauer-Fam­i­lien Ehrlich und Zettler ergänzen den wis­senschaftlichen Gehalt des Ban­des; einige per­sön­lich gehal­tene Texte bieten Per­spek­tiv­en jen­seits der rein fach­lichen Ebene. Das mit schö­nen Fotos sorgfältig aus­ges­tat­tete Lese­buch zeugt vom erfol­gre­ichen Engage­ment ein­er kleinen Gemeinde, der es gelang, neben zahlre­ichen Einzel­spenden auch einen sechsstel­ligen Betrag aus Son­der­mit­teln des Bun­des­beauf­tragten für Kul­tur und Medi­en für Orgeln in bedeu­ten­den Denkmälern einzuwer­ben. Kurzum: vor­bildlich und einladend!

Markus Zim­mer­mann