Ksenia Bönig

Das große Buch der Orgel

hg. vom Bund Deutscher Orgelbaumeister e. V. (BDO)

Verlag/Label: Neuauflage 2020, 28 Seiten, 19,50 Euro
erschienen in: organ - Journal für die Orgel 2022/02 , Seite 52

Allüber­all wird von Nach­wuchs­man­gel gesprochen – in Vere­inen, im Handw­erk, im Gesund­heitswe­sen und natür­lich auch bei Orga­nisten und Orgel­bauern. Ein Geheim­rezept, wie man an Men­schen her­ankommt und sie begeis­tern kann, gibt es nicht. Per­sön­liche Ansprache und Zuwen­dung sind aber sich­er gute Türöffn­er, die zu posi­tiven Erfahrun­gen und weit­erem Inter­esse führen können.
Der direk­te Zugang zu Orgeln ist oft nicht so ein­fach, gele­gentlich ver­schlossen. Wenn es einem Kind mit seinen Eltern gelingt, bis zur Orgel­bank vorzu­drin­gen, dann ist schon viel geschafft. Wenn zufäl­lig noch ein net­ter und zuge­wandter Organ­ist oder eine eben­solche Organ­istin zuge­gen ist, kann das Aben­teuer Orgel begin­nen. – Für alle anderen Kinder kann das wun­der­bare Bilder­buch von Kse­nia Bönig eine erste gute Hil­festel­lung im heimis­chen Kinderz­im­mer geben, sich der Orgel zu nähern.
Bönig gestal­tet die erste Begeg­nung mit der Orgel für die Kinder in klaren und ein­fachen Worten und lässt sich dabei von der Fig­ur des Win­ni Bril­lig (eine Ähn­lichkeit mit ihrem Mann, dem Köl­ner Dom­organisten Win­fried Bönig, ist sich­er rein zufäl­lig) helfen, der durch das Bilder­buch führt. Bril­lig ist Organ­ist, trägt eine Fliege und einen Frack und hat eine wirre Kün­stler­frisur. Win­ni spielt, wie er sagt, auf dem „toll­sten Instru­ment der Welt“. Anders als andere Musik­er bringt er sein Instru­ment zum Konz­ert aller­dings nicht mit, son­dern die Orgel bleibt in ihrer Res­i­denz und gewährt dem Organ­is­ten eine Audienz – so machen das Königinnen.
Jede Orgel ist einzi­gar­tig, es gibt keine zwei gle­ichen Orgeln auf der Welt. So ist jede Begeg­nung für Win­ni immer wieder von neuem span­nend. Orgeln kön­nen sehr unter­schiedlich sein und an sehr unter­schiedlichen Orten ste­hen. Allen gemein­sam aber sind, so Win­nie, „die Pfeifen, eine Anlage, die die Luft in die Pfeifen blasen wird, und ein Platz für den Organ­is­ten, von wo aus er alles steuern kann“.
Win­nie erk­lärt, wie eine Orgel aussieht, wie sie klingt, wie man auf ihr spielt und wie sie ent­wor­fen und gebaut wird. In der Mitte des Buch­es ist man auf ein­er großen ausklapp­baren Dop­pel­seite sog­ar in ein­er Orgel­bauw­erk­statt mit ihren zahlre­ichen Abteilun­gen zu Gast:
z. B. dem Hol­zlager, wo das Holz min­destens zehn Jahre getrock­net wer­den muss, dem Maschi­nen­saal, wo das Holz zugeschnit­ten und bear­beit­et wird, in den Werk­stät­ten für Holz- und Met­allpfeifen, im Led­er­lager und der Verwaltung.
Die far­bigen Zeich­nun­gen zeigen, was man über Orgeln unbe­d­ingt wis­sen muss. Dabei stil­isiert Bönig gele­gentlich, um Dinge klar ver­ständlich zu machen. Ihre Orgelze­ich­nun­gen von der Köl­ner Domorgel, der „Bares“-Orgel in der Kun­st-Sta­tion Sankt Peter Köln und der Schmid-Orgel mit ihren bun­ten und schiefen Pfeifen in St. Elis­a­beth, Augs­burg, zeigen die äußere Vielfalt des Instruments.
Auch wenn die kleinen Leserin­nen und Leser noch lange brauchen wer­den, bis ihre Füße an die Ped­al­tas­ten her­an­re­ichen und sie selb­st Orgel spie­len kön­nen, so wer­den sie diese erste Begeg­nung mit der Orgel nicht vergessen! Das Buch ist auch in Englisch, Franzö­sisch, Chi­ne­sisch, Japanisch, Kore­anisch, Nor­wegisch und Schwedisch erhältlich.

Ralf-Thomas Lind­ner