Communions der französischen Romantik für Orge

hg. von Andreas Willscher und Hans-Peter Bähr (= Die besondere Gattung, Band 13)

Verlag/Label: Dr. J. Butz Musikverlag Bonn
erschienen in: organ - Journal für die Orgel 2022/01 , Seite 58

In der mit­tler­weile beachtlich umfan­gre­ichen und vielgestalti­gen Rei­he „Die beson­dere Gat­tung“ legt der Ver­lag Dr. J. Butz hier mit Com­mu­nions eine Samm­lung von 26 Kom­mu­nion­s­musiken der franzö­sis­chen Roman­tik vor. Naturgemäß sind das eher ruhige Stücke med­i­ta­tiv­en Charak­ters, die als Begleit­musik zur Kom­mu­nion­sausteilung gedacht sind. Diese Gat­tung find­et sich kaum in der barock­en franzö­sis­chen Orgel­musik, son­dern etablierte sich erst später, dann in zahlre­ich­er Pro­duk­tion im 19. und 20. Jahrhundert.
Bei der Auswahl aus einem riesi­gen Fun­dus dieses Gen­res wurde im Her­aus­ge­berteam darauf geachtet, eine Vielfalt an For­men und Charak­teren zu präsen­tieren und vor­rangig unbekan­nte Werke als Reper­toire-Erweiterung anzu­bi­eten. Ange­führt von entle­ge­nen Werken großer Kom­pon­is­ten wie Louis Vierne, Jacques-Nico­las Lem­mens, Charles Tourne­mire, Eugène Gigout, Alexan­dre Guil­mant und Louis Lefébu­re-Wély über noch geläu­fige Namen wie François Benoist, Rémy Clavers, Clé­ment Loret oder Louis Nie­der­mey­er bis hin zu zu Unrecht völ­lig vergesse­nen Kom­pon­is­ten ist in dieser Samm­lung dur­chaus Erstaunlich­es zu entdecken.
Die musikalis­che Aus­druck­sweise der Werke span­nt ihren Bogen von natür­lich cäcil­ian­is­tisch ange­haucht­en, choral­from­men vier­stim­mi­gen Sätzen über har­monisch und chro­ma­tisch reizvolle Charak­ter­stücke, ariose Can­tile­nen mit klangvollen Soloreg­istrierun­gen für die rechte und die linke Hand, Vari­a­tions­for­men bis hin zu län­geren, fast sym­phonisch entwick­el­ten aus­laden­den Pas­sagen. Die aller­meis­ten Stücke kom­men ohne oblig­ates Ped­al aus und sind sehr gut auch auf dem Har­mo­ni­um oder Klavier darzustellen. Ein Ped­al­part kann aber im­mer addi­tiv dazu gespielt wer­den, sodass der typ­is­che Orgel-Effekt mit 16’ im Bass gegeben ist. Nur wenige Werke fordern ein selb­st­ständi­ges Pedalspiel.
Die tech­nis­chen Anforderun­gen bieten nebe­namtlichen Organ­is­ten kein­er­lei Hin­dernisse, doch auch haup­tamtliche Kirchen­musik­er wer­den an der reich­halti­gen Auswahl pri­ma vista ihre Freude haben. Eine grundtönige zweiman­u­alige Orgel mit roman­tis­chen Charak­ter­stim­men wäre Voraus­set­zung. Das Vor­wort und die kurzen Komponis­ten­biografien wie das Glos­sar der Vor­trags­beze­ich­nun­gen sind in deutsch­er, englis­ch­er und franzö­sis­ch­er Sprache ver­fasst und run­den die sehr erfreuliche und inter­es­sante Veröf­fentlichung ab.

Ste­fan Kagl