Josef Gabriel Rheinberger

Chamber Music With Organ

Michela Bergamasco, Violine; Cristina Monticoli, Oboe; Marco Dalsass, Cello; Manuel Tomadin an der Steinmeyer-Orgel der evangelischen Kirche in Triest (Italien)

Verlag/Label: 2 CDs, Brilliant Classics 96470 (2022)
erschienen in: organ - Journal für die Orgel 2022/04 , Seite 62

Bew­er­tung: 4 von 5 Pfeifen

Die Werke Josef Gabriel Rhein­berg­ers (1839–1901) für Soloin­stru­mente und Orgel gehören zu den Preziosen unter den „Orgel plus“-Kompositionen des 19. Jahrhun­derts: Neben den zwei häu­figer einge­spiel­ten Opera für Vio­line und Orgel (die sechs Stücke op. 150 und die Suite c‑Moll op. 166) existiert ein vier­sätziger Zyk­lus für Vio­line, Vio­lon­cel­lo und Orgel op. 149, da rüber hin­aus drei Sätze aus op. 150 in ein­er Orig­i­nalver­sion für Vio­lon­cel­lo und Orgel sowie zwei Sätze für Oboe und Orgel, darunter ein­mal mehr die „Pas torale“ aus dem Mit­tel­satz sein­er Sonate a‑Moll op. 98, die Rhein­berg­er später auch in Der Stern von Beth­le­hem einge­set­zt hat.
Die Auf­nahme des Tri­ester Organ­is­ten Manuel Tomadin mit her­vor­ra­gen­den Partner:innen – unter denen beson­ders die Geigerin Michela Berga­m­as­co beson­dere Aufmerk­samkeit ver­di­ent – präsen­tiert das gesamte Reper­toire (mit sämtlichen Dopplun­gen, die sich aus den Arrange­ments Rhein­berg­ers ergeben) als bun­ten Strauß; die hier gewählte Rei­hen­folge der sechs Stücke op. 150 ent­behrt dabei jed­er his­torischen Quelle und irri­tiert – mehr als der von Rhein­berg­er als großes Finale des Zyk­lus einge­set­zte, aber eben „Ouver­ture“ über­schriebene Kehraus.
Der Begriff „Kam­mer­musik“, den auch diese CD für das hier einge­spielte Reper­toire ver­wen­det, führt einiger­maßen in die Irre – diese Mu sik ist keineswegs für die „Kam­mer“, son­dern in Hin­blick auf den Orgel­part immer für ein aus­gewach­senes Instru­ment. Das hier ver­wen­dete passt in ganz wun­der­bar­er Weise: Die Stein­mey­er-Orgel (II/P/17), die 1874 für die evan­ge­lis­che Pfar­rkirche in Tri­est ent­standen ist, ist nicht eben groß, erfüllt aber mit sieben charak­ter­is­tis­chen Acht­fußreg­is­tern im Man­u­al – da runter Stre­ich­er von bemerkenswert­er Schön­heit – die Auf­gabe, die der Kom­pon­ist dem Orgel­part zugedacht hat; her­vorzuheben sind vor allem Gambe im I. und Sali­cional im II. Manual.
In allen hier aufgenomme­nen Kom­po­si­tio­nen ist die Orgel keineswegs nur ein Begleitin­stru­ment. Und anders als von Manuel Tomadin im Book­let­text dargestellt, wirkt das Instru­ment im Raum – so weit dieser hier einge­fan­gen wer­den kon­nte – über­haupt nicht dick, son­dern höchst trans­par­ent. Aber vielle­icht war es dieser sub­jek­tive Ein­druck, der die Musizieren­den zu gele­gentlich befremdlich lang samen Tem­pi ver­leit­et hat, die einzelne Sätze recht zäh erscheinen lassen.
A pro­pos Book­let: Es dürfte nicht nur an der Über­set­zung liegen, dass der englis­chsprachige Book­let­text eine Fülle von Fehlern enthält – nicht zulet­zt zu Leben und Werk Rhein­berg­ers. Dass Angaben zu den in den einzel­nen Sätzen gewählten Reg­istrierun­gen fehlen, mag wiederum der radikalen Kürze der Beilage geschuldet sein.

Birg­er Petersen