Bach in Lübeck

Präludien, Fugen, Choral­bearbeitungen

Verlag/Label: Querstand VKJK 2007 (2020)
erschienen in: organ - Journal für die Orgel 2021/01 , Seite 61

Arvid Gast an den his­torischen Orgeln von St. Jako­bi in Lübeck

Bew­er­tung: 3 von 5 Pfeifen

Die his­torischen Orgeln der Lü­­be­cker Jaco­bi-Kirche dürften jedem Orgelin­ter­essierten ein Begriff sein. Die große Schuke-Orgel mit ihrem bedeu­ten­den Anteil an his­torisch­er Reg­is­ter­sub­stanz scheint, wie die CD zeigt, durch die Ren­ovierung der Fir­ma Flen­trop deut­lich an mu­sikalischem Pro­fil gewon­nen zu haben. Das Pro­jekt, an diesen Instru­menten die zahlre­ichen Kom­po­si­tio­nen des jun­gen, damals vor­wiegend nord­deutsch geschul­ten Johann Sebas­t­ian Bach zu doku­men­tieren, ist nicht nur gelun­gen, son­dern regt dazu an, sich mit diesem The­ma noch einge­hen­der zu beschäfti­gen.
Man kann, ohne die präsen­tierten Werke im Einzel­nen aufzählen zu müssen, sagen, dass Arvid Gast das Span­nungs­feld zwis­chen Bachs jugendlichem Elan, sein­er dies­bezüglichen musikalis­chen Sprache, sein­er teil­weise noch suchen­den Satztech­nik und sein­er ver­gle­ich­sweise etwas apho­ris­tis­chen for­malen Architek­tur überzeu­gend darstellt. Auf der CD find­en sich in Stück­en wie Ach Herr, mich armen Sün­der BWV 747, im zweit­en Satz der Fan­ta­sia in G BWV 571 oder in der vor­let­zten Par­ti­ta von Ach was soll ich Sün­der machen BWV 770 hoch­po­et­is­che Momente. Die man­u­aliter-Darstel­lung der Can­zona in d BWV 588 mit ein­er schlicht­en 8’/8’- und ein­er 8’/ 4’-Registrierung ist eine inter­es­sante Idee. Nicht ganz klis­cheefrei ist dage­gen die vier­füßig reg­istri­erte Wieder­gabe der Fuga in G BWV 577 als Prestis­si­mo-Etüde.
Ins­ge­samt präsen­tiert sich Arvid Gast als Inter­pret mit einem vor­wiegend vir­tu­osen Zugriff. Was dem gewählten Reper­toire vielfach zugute kommt, aber auch seine Prob­leme hat. Etliche Tem­pi wer­den als sehr schnell gegeben, das eo ipso-Sprechen der Musik und das Ausspie­len von Orgelk­län­gen kom­men dabei etwas zu kurz. Viele Regis­trierungen – vor allem mit Zun­gen­reg­is­tern – sind sehr gekon­nt gewählt, einige Choral­bear­beitun­gen „Auff zwey Clavier“ kön­nte man sich dage­gen etwas mehr tra­di­tionell nord­deutsch-barock reg­istri­ert vorstellen.
Das Book­let informiert in deutsch und englisch aus­führlich über das The­ma „Bach in Lübeck“, die Orgeln, die Reg­istrierun­gen und den Inter­pre­ten.

Wol­fram Syré