Robert Schumann

Werke für Orgel oder Pedalflügel op. 56, op. 58, op. 60

Verlag/Label: Carus 18.091
erschienen in: organ - Journal für die Orgel 2021/04 , Seite 60

Mag sich Robert Schu­manns musikalis­che Hin­ter­lassen­schaft für Orgel eher schmal aus­nehmen, so ist sie doch von hohem kün­st­lerischen Anspruch und Stel­len­wert. Bezüglich der Stu­di­en op. 56 bzw. den Skizzen op. 58 muss man sich fra­gen, ob diese von Schu­mann über­haupt für Orgel intendiert sind oder ob sich ein Ped­alflügel zur Darstel­lung nicht bess­er eignet. Schu­mann selb­st stand wohl eine Vor­rich­tung zur Ver­fü­gung, die es ihm erlaubte, zusät­zlich zur Man­u­alklaviatur seines Flügels 29 Basstöne über Ped­ale erklin­gen zu lassen.
Schon aus prak­tis­chen Grün­den, also in Erman­gelung eines geeigneten Instru­ments, ist die Aus­führung auf der Orgel natür­lich „ein­fach­er“. Dabei muss man sich darüber klar sein, dass die von Schu­mann geforderte Über­gangs­dy­namik sowie die Durch­hör­barkeit des Stim­menge­flechts mit seinen unterschied­lichen Gewich­tun­gen sich nicht unbe­d­ingt nur über Reg­is­tra­tion, Man­u­alverteilung und gegebe­nen­falls den Gebrauch des Schwell­w­erks, son­dern nur in Wech­sel­wirkung mit ein­er sehr dif­feren­zierten „pianis­tis­chen“ Anschlagskul­tur vom Stac­catis­si­mo bis hin zum Über­lega­to bew­erk­stel­li­gen lassen.
Auch hin­sichtlich des Ambi­tus muss man sich an eini­gen Stellen Gedanken machen, z. B. beim Anfang von op. 58,2 und op. 58,3. Schu­mann selb­st war offen­bar der Mei­n­ung, dass die Skizzen op. 58 eher auf der Orgel zu real­isieren seien als die Stu­di­en op. 56. Anders ver­hält es sich mit den Fugen op. 60, wo die Orgel als Alter­na­tivin­stru­ment zum Ped­alflügel schon in der Erstaus­gabe expliz­it genan­nt ist. Schu­mann notiert hier keine Über­gangs­dy­namik wie in op. 56 und op. 58, verzichtet allerd­ings auch auf konkrete Man­u­al- und Reg­istri­er-Angaben. Er hat diese Stücke wohl beson­ders geschätzt, wenn er sie charak­ter­isiert als „… eine Arbeit, von der ich glaube, dass sie meine anderen vielle­icht am läng­sten über­leben wird“.
Das Druck­bild der Neuaus­gabe aller drei Zyklen bei Carus liest sich sehr angenehm. Abso­lut lesenswert und sehr infor­ma­tiv sind das Vor­wort sowie der kri­tis­che Bericht. In den his­torischen Aus­gaben offen­sichtlich fehlende Artiku­la­tion­sze­ichen und der­gl. sind logisch ergänzt, aber immer durch Ein­klam­merung etc. vom Orig­i­nal unter­schei­d­bar ken­ntlich gemacht. Als kleines „Schmankerl“ ist im Anhang die rekon­stru­ierte Urfas­sung des Album­blatts op. 124,20 zu finden.
Ins­ge­samt ist die Edi­tion sehr sorgfältig gear­beit­et, was durch kleine Erra­ta (wie zum Beispiel bei op. 58,4 in Takt 41 auf Zäh­lzeit 3 es statt ges in der linken Hand) nicht wirk­lich geschmälert wird. Als He­rausgeber fungiert Mar­tin Schmed­ing, Pro­fes­sor für Orgel in Leipzig, der sich sehr inten­siv mit dem The­ma Ped­alflügel auseinan­derge­set­zt hat. Kon­se­quenter­weise hat er daher die drei Samm­lun­gen aus­ge­sprochen hörenswert auf einem orig­i­nalen Exem­plar dieses Typus einge­spielt (Ars Produktion).
Sum­ma sum­marum stellt sich also eher weniger die Frage, ob op. 58 und vor allem op. 56 sich auf Orgel über­haupt adäquat darstellen lassen, son­dern wie man die Umset­zung darauf am besten bew­erk­stel­ligt. Dazu kann diese neue Urtext-Edi­tion des Carus-Ver­lags eine her­vor­ra­gende Hil­festel­lung geben.

Chris­t­ian von Blohn