W. Hill & Son (1832–1916) – Orgelbauer des britischen Königshauses

Mit Beiträgen von Nicholas Thistlethwaite, John Maidment, Paul Hale, Hannes Ludwig u. a.

Verlag/Label: Hill’s Angels, 600 Seiten, zahlreiche farbige Abbildungen, 69,99 Euro
erschienen in: organ - Journal für die Orgel 2026/02 , Seite 56

Es gehört zu den merkwürdigen Lü­­cken der Orgelbauliteratur, dass über die wohl bedeutendste britische Orgelbaufirma des 19. Jahrhunderts bislang keine umfassende Monografie existierte. Hannes Ludwig1 hat diese Lücke erkannt und während der Corona-Pandemie ein mehr als 600-seitiges Opus zu Hill-Orgeln erarbeitet. Das Ergebnis darf als Grundlagenwerk gelten.
William Hill gehörte zu den bedeutendsten englischen Orgelbauern seiner Generation: Er trieb die Transformation der Orgel zum reifen viktorianischen Instrument vo­ran und legte das Fundament für Willis, Lewis und andere. Groß­instrumente wie die 75-Register-Orgel für York Minster (1834), die Westminster Abbey und die Sydney Town Hall machten die Firma zur führenden Kraft des britischen Orgelbaus.
Der vorliegende Band vereint Beiträge von acht Autoren aus Großbritannien, Deutschland und Australien. Nicholas Thistlethwaite behandelt die Familien- und Firmengeschichte, John Maidment erschließt auf 64 Seiten die Hill-Orgeln in Australien, ein Kapitel, das zeigt, wie weit das Erbe des britischen Empire in der Orgellandschaft nachklingt. Paul Hale widmet sich den Klangkonzepten Dr. Arthur Hills, Andreas Mähnert dokumentiert das Kilbarchan-Restaurierungsprojekt,2 das für Hannes Ludwig Ausgangspunkt des gesamten Buchprojekts war. Weitere Kapitel zu Mensuren, Pfeifenwerk, Trakturen und Prospektpfeifen sowie ein Faksimile des Firmenkatalogs von 1913 machen das Werk zu einer echten Enzyklopädie.
Die Bildausstattung ist bemerkenswert: Fotografien, Dispositionen, Pläne und historische Aufnahmen erhaltener Instrumente lassen die Stationen der Firmengeschichte lebendig werden.
Als Selbstverlagspublikation fehlt punktuell das Korrektiv eines wissenschaftlichen Lektorats; der Apparat hätte gelegentlich ein wenig strenger vereinheitlicht werden können. Das mindert den Wert des Bu­ches freilich kaum.
Hannes Ludwig hat auf eigene Kosten recherchiert, ein internationales Netzwerk von Orgelsachverständigen und Restauratoren zusammengeführt und ein Werk geschaffen, das diese Expertise in beeindruckender Breite bündelt. Als erste ausführliche Darstellung des englischen Orgelbaus in deutscher Sprache dürfte es für den Fachdiskurs hierzulande unverzichtbar sein. Die Gesellschaft der Orgelfreunde hat für ihre 300. Veröffentlichung eine würdige Wahl getroffen.

Tobias Leschke

1 Seit September 2007 ist Hannes Ludwig als Kirchenmusiker für die evangelische Kirche in Prenzlau tätig, seit 2008 ist er außerdem Kreiskantor und Orgelsachverständiger der Evangelischen Kirche Berlin/ Brandenburg-Schlesische Oberlausitz (EKBO).
2 Hannes Ludwig initiierte und betreute die Translokation und Restaurierung einer großen historischen Orgel (1904) der Firma William Hill & Son aus dem schottischen Kilbarchan in die rekonstruierte Kirche St. Marien in Prenzlau.

Page Reader Press Enter to Read Page Content Out Loud Press Enter to Pause or Restart Reading Page Content Out Loud Press Enter to Stop Reading Page Content Out Loud Screen Reader Support