Zsolt Gárdonyi

Vierundzwanzig Choral­bearbeitungen für Orgel

Jubiläumsausgabe zum 80. Geburtstag

Verlag/Label: 48 Seiten, Ostinato Musik­verlag, os 12.035
erschienen in: organ - Journal für die Orgel 2026/03 , Seite 59

Zsolt Gárdonyi feierte am 21. März dieses Jahres seinen 80. Geburtstag. 1946 in Budapest geboren, studierte Gárdonyi Komposition, Orgel, Musiktheorie und Kirchenmusik. Mit 19 Jahren war er Preisträger sowohl im Fach Orgel als auch in Komposition des Hochschulwettbewerbs Budapest. Mit 24 wurde er hauptamtlicher A-Kirchenmusiker an der Alexanderkirche in Wildeshausen (Niedersachsen) und mit 34 Jahren Professor für Musiktheorie an der Hochschule für Musik Würzburg.
Mich selbst haben seine Kompositionen seit den Anfängen meines Berufslebens in der gottesdienst­lichen und konzertanten Praxis vor allem an der Orgel, aber auch in der Chorarbeit immer wieder begleitet. Dabei hat mich bei ihm immer eine unglaublich ausgefeilte, durchdachte und zugleich intuitiv ausdrucksstarke Harmonik begeis­tert, die sich im Dienst der musikalischen und textlichen Inhalte versteht, die sich dem Interpreten und den Zuhörern direkt mitteilt. Gárdonyi verbindet die Harmonik des 19. und 20. Jahrhunderts (u. a. von Liszt, Debussy, Ravel, Skrjabin Frank Martin und Messiaen) mit deutlichen Einflüssen des Jazz, den er auch kompositionstechnisch in virtuosen Orgelwerken erfolgreich zu entfalten vermag.
Genau in dieser Mischung hat Gárdonyi seinen Stil gefunden, und so erschien nun die Sammlung aus sogenannten Elf festlichen Finalstrophen, Elf kleinen Choralvorspielen und zwei Liedtoccaten. Die Finalstrophen haben in den angelsächsischen Ländern und Skandinavien die lange Tradition, jeweils die letzte Strophe eines Gemeindeliedes mit ge­sungenen Oberstimmen oder eben hier mit einen harmonisch reichen, umspielten opulenten Satz auszugestalten. Gárdonyi schöpft hier auf engstem Raum aus dem Vollen; die Sätze kann man natürlich auch als Vor- und Nachspiele verwenden bzw. exemplarisch im Orgel-, Harmonielehre- oder Tonsatz-Unterricht, für die eigene Begleitpraxis oder als harmonische Grundlage für eine Schlussimprovisation als Anregung verwenden.
Einige davon sind technisch sehr leicht zu bewältigen und im Nachwuchsunterricht eine willkommene Bereicherung. Dies gilt ebenfalls für die Elf kleinen Choralbearbeitungen, die wahrhafte Kleinodien zu bekannten Liedern aus dem evangelischen und dem katholischen Lied­repertoire darstellen. Sie sind sowohl wegen ihrer Kürze in der Liturgie bestens einsetzbar als auch als (Teil-)Zyklus konzertant darstellbar. Die technischen Anforderungen sind leicht bis mittelschwer. Die beiden abschließenden Toccaten sind spieltechnisch etwas anspruchsvoller, aber dafür mitreißende Raus­schmeißer im allerbes­ten Sinne.
Die folgenden Melodien sind in diesem schönen Sammelband mit Kompositionen aus den Jahren 1969 bis 2025 vereinigt: Elf festliche Finalstrophen: „O du fröhliche“, „Christ ist erstanden“, „Gelobt sei Gott im höchsten Thron“, „Wie herrlich gibst du, Herr, dich zu erkennen“, „Jauchzt, alle Lande Gott zu Ehren“, „Du meine Seele, singe“, „Nun danket alle Gott“, „Sollt ich meinem Gott nicht singen“, „Wunderbarer König“, „Ein feste Burg“, „Ma­che dich, mein Geist, bereit“ – Elf kleine Choralbearbeitungen: „Ihr Kinderlein, kommet“, „Stille Nacht“, „Vom Himmel hoch, o Engel, kommt“, „Mit Freuden zart“, „Wachet auf, ruft uns die Stimme“, „Aus tiefer Not“, „Lobt Gott, den Herrn der Herrlichkeit“, „Befiehl du deine Wege“, „Morgenglanz der Ewigkeit“, „Der Mond ist aufgegangen“, „Erd und Himmel sollen singen“ – Zwei Toccaten: „Ein feste Burg“, „Veni creator spiritus“.

Anlässlich von Zsolt Gárdonyis 80. Geburtstag wurde Choraldialog für Horn in F und Orgel aus dem Jahr 2024 veröffentlicht. Dieser verbindet zwei Liedvorlagen, die der Komponist bereits früher für Orgel solo bearbeitet hatte: „Be Thou My Vision“ aus den Fünf Choralvorspielen aus dem Jahr 1996, deren Meodie aus Irland stammt, und „Lift High the Cross“, eine umfangreichere und virtuosere Orgelkomposition gleichen Titels, die durch ihre jazzige Harmonik und eine kolossale Steigerung besticht und im Jahr 2018 komponiert wurde. Der cantus firmus ist englischen Ursprungs. Die Originalversion wurde hierbei erheblich gekürzt. Gárdonyi hat seine Umarbeitung in der Besetzung für Horn und Orgel zu einem wirkungsvollen Dialog zwischen den beiden Protagonisten umgearbeitet, die Parts wechseln kurzweilig, und wenige Überleitungstakte verbinden die beiden Teile. Das kurze Stück verzichtet bewusst auf komplizierte Verarbeitungen und Weiterentwicklungen oder auch Kombinationen der Themen und endet in einer mitreißenden, feierlichen Klimax. Es bildet eine wunderbare Bereicherung für die nicht gerade reich gesäte Literaturauswahl in dieser Besetzungskombination.

Stefan Kagl

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