Hakim, Naji

Vier Choralbearbeitungen (2011) für Orgel

Verlag/Label: Schott Music, ED 21316
erschienen in: organ 2013/01 , Seite 63

Ein Kom­po­si­tion­sauf­trag „in memo­ri­am“ der im Jahre 2007 mit 46 Jahren allzu früh ver­stor­be­nen US-amerikanis­chen Bach-Forscherin Anne Leahy bot Naji Hakim Gele­gen­heit, sich einem spez­i­fisch refor­ma­torischen Liedgut kom­pos­i­torisch zuzuwen­den, dessen sich auch Johann Sebas­t­ian Bach in seinen Leipziger Chorälen zuvor angenom­men hat­te. Es sind dabei vier reizvolle Minia­turen für die Orgel ent­standen, alle­samt in leichter Spiel­barkeit und im Umfang (ca. 6 Minuten) Hakims Zyk­lus Mar­i­ales ver­gle­ich­bar.
In Komm, heiliger Geist, Herre Gott schreibt Hakim eine Stac­ca­to-Achtel-Fig­u­ra­tion, die als Versinnbildlichung des Sanc­tus Spir­i­tus den in der Ober­stimme liegen­den Can­tus fir­mus spielerisch umrankt. Im zweit­en Orgel­choral An Wasser­flüssen Baby­lon wird der Choral im Ped­al durchge­führt. Dabei schmückt ihn Hakim nach Art ein­er ‚plainte‘ mit ein­er far­big-roman­tisieren­den Akko­rdik. Schmücke dich, o liebe Seele ist dage­gen nach Art ein­er „Médi­ta­tion“ als Oktavkanon zwis­chen Ober­stimme und Ped­al über ein­er ruhi­gen Begleitung der linken Hand gestal­tet. Die möglicher­weise etwas scholastisch und sta­tisch anmu­tende Rhyth­mik find­et sodann im abschließen­den Allein Gott in der Höh’ sei Ehr’ ihre geistre­ich-sprühende Auflö­sung in der quirlig-tan­zar­ti­gen Fak­tur. Gewisse Anklänge an den Jazz ste­hen für eine dur­chaus per­sön­liche Choral­be­hand­lung Hakims. Kurzes Faz­it: ein mit leichter Fed­er geschrieben­er reizvoller „Kon­tra­punkt“ zu den über­aus kom­plex­en Bach’schen Chorälen und zugle­ich eine dankbare Bere­icherung für Liturgie und Konz­ert.

Christoph Kuhlmann