Hakim, Naji

Toccata für Orgel (2011)

Verlag/Label: Schott Music, ED 21474
erschienen in: organ 2013/01 , Seite 63

Als das offizielle Pflicht­stück für das Finale des nieder­ländis­chen Orgel­wet­tbe­werbs „The Bre­da Inter­na­tion­al Organ Com­pe­ti­tion 2012“ schrieb Naji Hakim seine knapp fünfminütige Toc­ca­ta für Orgel. Das vir­tu­ose Konz­ert­stück ste­ht hör­bar in der Tra­di­tion ein­schlägiger franzö­sisch-sym­phonis­ch­er Vor­bilder, die sich sujet­gemäß mit bril­lanter Sechzehn­telfig­u­ra­tion und charak­ter­is­tis­chen Akko­rd­schlä­gen über einem durchge­hen­den motorisch-rhyth­mis­chen Osti­na­to auf­bauen. Die Satzweise in Hakims Toc­ca­ta erin­nert dabei phasen­weise an das Finale sein­er Hom­mage à Stravin­sky: Einzeltöne und Akko­rde sind unregelmäßig in durch­laufend­en Sechzehn­teln ange­ord­net, die rhyth­misch jew­eils wech­sel­nde Akzentset­zun­gen her­vor­brin­gen. Das ver­lei­ht dem Stück seinen durch­tra­gen­den rhyth­mis­chen Zug, der seine Sog­wirkung voll ent­fal­tet und dabei auch über den etwas unam­bi­tion­ierten Ped­al­part hin­we­gret­tet.
For­mal weist das Stück eine klare ABA-Anlage auf, wobei der akko­rdisch-homophon gehal­tene, auf der Voix humaine zu spie­lende Mit­tel­teil die tief­grün­dende Ver­wurzelung des Langlais-Schülers in der franzö­sis­chen roman­tis­chen Orgeltradi­tion zeigt, die Hakim hier geschickt und sehr effek­tvoll mit jaz­zar­ti­gen Har­monien anzure­ich­ern weiß.

Christoph Kuhlmann