John Patrick Thomas

To the End of the World

Music for Organ 1968 to 2011

Verlag/Label: EMRICK music, EM02 (2017)
erschienen in: organ 2018/01 , Seite 59

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Diese CD ist auch ein sehr per­sön­lich­es Doku­ment eines Komponis­ten, der seine Orgel­musik über einen sehr lan­gen Zeitraum (1968–2011) zusam­menge­fasst wis­sen will. Die Eigen­pro­duk­tion hat deshalb etwas Berühren­des; sie ist das Resul­tat eines großen Engage­ments aller Beteiligten. Der Kom­pon­ist John Patrick Thomas wurde 1941 in Den­ver, Col­orado (USA), geboren. Seine Lehrer waren u. a. Dar­ius Mil­haud, Charles Jones, Andrew Imbrie und Symour Shifrin. Ab 1971 ging Thomas als Coun­tertenor nach Europa. Viele Kom­pon­is­ten haben für seine Stimme kom­poniert, unter anderem Mauri­cio Kagel, Michael Finnis­sy und Krzysztof Pen­derec­ki.
Die Orgel hat für Thomas eine apoka­lyp­tis­che Kom­po­nente. Er be­nennt Klan­gre­ich­tum, Vari­abil­ität, aber auch Inter­na­tion­al­ität des Instru­ments. Der Titel der CD An das Ende der Welt ist dem Werk Aus Matthäus (1983) ent­nom­men. Thomas denkt hier an die Aus­löschung unseres Plan­eten durch die Aus­dehnung der Sonne. In hinge­bungsvoller Ver­schmelzung wer­den die fünf Abschnitte des Matthäus-Evan­geli­ums für Sopran, Horn und Orgel von den Inter­pre­ten Con­stanze Ko­wal­ski, Julia Hen­ning und Péter Guly­ka musiziert.
Umrahmt wird dieses 25-mi­nütige Hauptwerk von kleineren the­ma­tis­chen Orgel­stück­en. Found Music (2011) bezieht sich auf ein Werk der bilden­den Kün­st­lerin Ann Holyoke Lehmann für die Berlin­er Matthäuskirche; der dor­tige Organ­ist Lothar Knappe besorgte die Urauf­führung. Peniel (1968) ist das mit Abstand älteste Werk auf der CD. Es the­ma­tisiert Jakobs Begeg­nung mit dem Engel aus 1 Mose 32. Zwis­chen­zeitlich war die Par­ti­tur ver­schollen, gelangte dann unter mys­ter­iösen Umstän­den jedoch wieder ans Tages­licht.
Zum Ende des einge­spiel­ten Pro­gramms wird die ursprünglich für Klavier kom­ponierte Elegie Nr. 4 (2002) präsen­tiert, die ein Totenge­denken darstellt. Die min­i­malar­tige Musik bringt den Hör­er zu inner­er Ruhe, sie spiegelt Weite und Trau­rigkeit, eher ein kreisendes Suchen als eine Antwort und berührt und beruhigt damit auf ihre Weise.
Es ist schön, dass solch ein Porträt erschienen ist, wen­ngle­ich sowohl auf­nahme- als auch orgel­tech­nisch nicht alle Möglichkeit­en aus­geschöpft wur­den.

Dominik Susteck