Cage, John

The Works for Organ

Verlag/Label: 2 CDs, mode records, mode 253/4 (2013)
erschienen in: organ 2013/03 , Seite 57

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Was haben Franz Schu­bert und John Cage gemein­sam? – Der Dreik­lang Dur bleibt nicht fröh­lich, son­dern wird melan­cholisch. Diesen unbeschreib­lichen Ton trifft die Ein­spielung von Gary Verkade mit Werken von John Cage. Ger­ade die schein­bar naiv angelegten Stücke Sou­venir (1984) und Some of „The Har­mo­ny of Maine“ (1976) auf der ersten CD zeigen eine „heit­ere Trau­rigkeit“, die der aus Chica­go stam­mende und heute im nord­schwedis­chen Piteå lehrende US-Amerikan­er Verkade tre­ff­sich­er wiederzugeben weiß.
Die zweite CD enthält das in let­zter Zeit durch das Pro­jekt in Hal­ber­stadt zusät­zlich bekan­nt gewor­dene Organ2/ASLSP (as slow as pos­si­ble), das dort unab­hängig von der von Cage intendierten Fas­sung in 639 Jahren aufge­führt wird. Ursprünglich ist die Kom­po­si­tion für Klavier oder Orgel kom­poniert. So ist die Kom­bi­na­tion mit der Klavier­fas­sung ASLSP von 1985, die hier auf der Orgel gespielt wird, schlüs­sig. 1987 schrieb Cage eine Orgelfas­sung für Gerd Zach­er. Die gewählte Dauer von ein­er guten hal­ben Stunde entspricht einem langsam durch­schrit­te­nen Augen­maß der Par­ti­tur. Im Ver­gle­ich zur ein­stündi­gen Fas­sung von Hans-Ola Eric­s­son und Christoph Bossert, die langsamer und roman­tis­ch­er ist, besticht die vor­liegende Ein­spielung durch große Selb­stver­ständlichkeit und Authen­tiz­ität. Sich­er ist die halb­stündi­ge Fas­sung näher an der ursprünglichen Inten­tion Ca­ges, die auf ein langsames, qua­si unendlich­es Fließen der Zeit abhebt, die sub­jek­tiv (und nicht wie in Hal­ber­stadt qua­si objek­tiv) zu erleben sein soll. Es ist aber noch mehr, was die CD zu bieten hat, es ist der Ton­fall, der stimmt. Die Kom­po­si­tion erre­icht unter Verkade eine kraftvolle Dichte und Span­nung, die kon­trär zur auskom­ponierten Langsamkeit einen hochmusikalis­chen Bogen zu schla­gen ver­mag. Die qual­i­ta­tiv hochw­er­tige Auf­nahme hätte dabei gewiss ein etwas weniger lieb­los gestal­tetes Book­let, zudem mit unter­be­lichteten Fotos, ver­di­ent.

Dominik Susteck