Tänze in der Orgelmusik
hg. von Andreas Willscher und Hans-Peter Bähr (= Die besondere Gattung, Band 14)
Eine spannende Ergänzung des Orgelrepertoires erschien im Verlag Dr. J. Butz in der Reihe Die besondere Gattung, die schon andere ungewöhnliche Werke der Orgel zugänglich gemacht hat.
Ungewöhnlich ist allein schon – bedenkt man den üblichen Gebrauchskontext der Orgel, verortet im kirchlichen Raum und Rahmen – das Thema des Bandes, der sich Tänzen in der Orgelmusik widmet. Wie Andreas Willscher und Hans-Peter Bähr im Vorwort (deutsch, englisch, französisch) eindrucksvoll vermitteln, etablierte sich das Tanzrepertoire für Orgeln besonders mit dem Aufkommen der Konzertsaalorgeln im 19. Jahrhundert. Schaut man sich die abgedruckten Werke an, so ist der älteste aufgeführte Komponist Charles Valentin Alkan (1813–88) mit seinen Danses gothique. Jedoch sind die Kompositionen nicht in chronologischer Reihenfolge angeordnet, sondern eher thematisch sortiert. Beim Schwierigkeitsgrad des Spielens ging man vom C-Niveau aus, wobei der Band für Hauptamtliche als Blattlektüre dienen kann.
Abgedruckt wurden elf Originalwerke für Orgel im Wechsel zwischen langsamen und schnelleren Stücken, dies sind Tambourin von Robert Jones (geb. 1945), Danses gothique von Charles Valentin Alkan, Gavotte von Thomas Merritt (1863–1908) / Isaac Van Vleck (1844–1909), Gigue von William Henry Maxfield (1849–1936) / Charles Herbert Kitson (1874–1944), Polkettina marzial von Giovanni Quirici (1824–96), Charleston von Lambert Kleesattel (geb. 1959), Minuetto von Aloys Claussmann (1850–1926) / Alexandre Guilmant (1837–1911) sowie No Name Bossa in Blue von Andreas Willscher (geb. 1955). Dazu kommen sieben Bearbeitungen für Orgel von zumeist bekannten Klavier- und Orchesterwerken, wie El Choclo von Àngel Gregorio Arroyo (1861–1919), Gavotte von Sigfrid Karg-Elert (1877– 1933), Ungarischer Tanz von Johannes Brahms, Norwegischer Tanz von Edward Grieg, Tanz der Zuckerfee von Peter Tschaikowsky, Lockung von Franz Werther (1872–1940) sowie Spanischer Tanz von Moritz Moszkowski (1854–1925). Interessant sind dazu die Zusatzinformationen zu den Lebensläufen der einzelnen Komponisten am Ende des Bandes.
Gleich beim ersten Spielen fällt auf, wie gut sich die Orgel für die angegebenen Stücke eignet: durch ihre verschiedenen Klangebenen (Manuale, Pedale) und ihre Farbgebungsvielfalt (Register). Ausgelegt sind die abgedruckten Noten auf drei Manuale, sie können aber durch Umregistrieren auch auf zweimanualigen Instrumenten gespielt werden. In den Noten finden sich auch Angaben zum Tempo mit Metronomzahlen und zur Dynamik. Verwendet werden maximal drei Vorzeichen im Stück, Tempiwechsel, Taktangaben und übliche italienische Musikbezeichnungen.
Alles in allem ein gelungener und durchaus überzeugender Band zur Repertoire-Erweiterung in unbekanntere Orgel-Gefilde.
Claudia Behn


