Audun Frode Ringkjøb

Silent Night (Glade jul)

for organ (with pedals)

Verlag/Label: Cantando Musikkforlag
erschienen in: organ - Journal für die Orgel 2020/04 , Seite 62

"Das Stück ist ohne Mühe vom Blatt spielbar und sicherlich ein sehr dankbares dazu, mit dem man am Heiligen Abend als Organist durchaus Punkte sammeln kann." (Wolfgang Valerius)

[…] Über den Nor­weger Audun Frode Ringkjøb, Jahrgang 1947, gibt das Inter­net kaum Infor­ma­tio­nen preis. Seine drei Vari­a­tio­nen über Glade jul, das welt­berühmte Stille Nacht, wirken, wie Coates’ Lul­la­by, unprä­ten­tiös im pos­i­tiv­en Sinne. Eine ein­fache, schlichte Melodie wird nicht intellek­tuell überspan­nt und durch Ver­frem­dung oder Frag­men­tierung kon­terkari­ert. Ringkjøb erweist sich somit als äußerst fein­füh­liger Musik­er, der der Volk­sweise zunächst gebühren­den Respekt erweist, aber auch dur­chaus seine eigene Note dazugibt. Zunächst erklingt die Melodie über ein­er gle­ich­mäßig fließen­den Sech­szehn­tel­be­we­gung der linken Hand in bekan­nter Har­monie. Die zweite Vari­a­tion ist eine schlichte Har­mon­isierung, wobei die Melodie von einem 2’-Register im Ped­al über­nom­men wird. In der drit­ten Vari­a­tion schließlich weit­et der Kom­pon­ist den tonalen Raum har­monisch sehr geschickt etwas aus, ohne das Jesuskind jedoch aus sein­er „himm­lichen Ruh“ zu we­cken. Das Stück ist ohne Mühe vom Blatt spiel­bar und sicher­lich ein sehr dankbares dazu, mit dem man am Heili­gen Abend als Organ­ist dur­chaus Punk­te sam­meln kann.

[…] Abschließend noch ein Wort zu den hier besproch­enen Note­naus­gaben bzw. zum Ver­lag Can­tan­do. Was in früheren Zeit­en der geübte Notenset­zer mit Blick auch auf ein ästhetis­ches Erschei­n­ungs­bild war, wird heute durch entsprechende Noten­schreibpro­gramme – zumeist von den Autoren selb­st – gener­iert. Da hat man dann immer wieder hal­bleere Seit­en vor sich, und jede Aus­gabe zeich­net sich durch wech­sel­nde, weil unter­schiedliche Schrift- bzw. Noten­größen aus. Alles wirkt sehr wie ein Do-it-your­self. Sollte man da nicht inner­halb eines Ver­lagshaus­es auf eine gewisse Ein­heitlichkeit in der Erschei­n­ung acht­en? Ander­er­seits: Die schöns­ten Noten­bände nutzen nie­man­dem, wenn sie fein säu­ber­lich aufgerei­ht im Regal ste­hen und ein Leben als tote Materie führen.

Wolf­gang Valerius