Enjott Schneider

PSYCHOGRAMME

Orgelsinfonien Nr. 2 und 13 (recte 15) / Baumbilder-Suite, Jürgen Geiger an den Orgeln der Basilika St. Ulrich und Afra in Augsburg

Verlag/Label: Ambiente Audio, ACD-3058 (2022)
erschienen in: organ - Journal für die Orgel 2022/03 , Seite 63

"All diejenigen, die die Musik Enjott Schneiders und insbesondere seine Orgelkompositionen lieben, sollten mit der vorgelegten CD auf ihre Kosten kommen. Der Interpret Jürgen Geiger verfügt über ein geeignetes Repertoire und präsentiert die ausgewählten Kompositionen gestalterisch angemessen vielfältig. Die Orgeln der Basilika St. Ulrich und Afra in Augsburg bieten ihm hierfür durch ihr breites Registerspektrum und insbesondere weich-streicherartige Farben geeignete Voraussetzungen." (Daniela Philippi)

Bew­er­tung: 4 von 5 Pfeifen

All diejeni­gen, die die Musik Enjott Schnei­ders und ins­beson­dere seine Orgelkom­po­si­tio­nen lieben, soll­ten mit der vorgelegten CD auf ihre Kosten kom­men. Der Inter­pret Jür­gen Geiger ver­fügt über ein geeignetes Reper­toire und präsen­tiert die aus­gewählten Kom­po­si­tio­nen gestal­ter­isch angemessen vielfältig. Die Orgeln der Basi­li­ka St. Ulrich und Afra in Augs­burg bieten ihm hier­für durch ihr bre­ites Reg­is­ter­spek­trum und ins­beson­dere weich-stre­icher­ar­tige Far­ben geeignete Voraus­set­zun­gen. Und die Ton­technik real­isiert ein Musik­er­leb­nis, das den Orig­i­nalk­lang der gespiel­ten Orgel­musik überzeu­gend auf den Ton­träger transferiert.
Zwar kön­nte das Mot­to „Psy­chogramme“ auch auf ein musik­ther­a­peutis­ches Mate­r­i­al hin­deuten, doch gilt es ganz konkret für die bei­den Orgelsin­fonien, die in ihren Unter­titeln bere­its explizite Hin­weise geben: Die Orgelsin­fonie Nr. 2 Die Mar­i­an­is­che behan­delt zen­trale Sta­tio­nen aus dem Leben der Gottes­mut­ter; die Orgelsin­fonie Nr. 15, die den Fachter­mi­nus direkt zitiert, „Psy­chogramm“ – Max Reger in memo­ri­am, wid­met sich kom­pos­i­torisch dem musika­lischen Schaf­fen und den künstle­rischen Selb­stzweifeln Regers sowie dem Mys­teri­um des Ster­bens und des Todes.
Die von den bei­den Orgelsin­fonien umrahmte Suite für Orgel mit dem Titel Baum­bilder porträtiert ty­pische men­schliche Charak­tere anhand von Beispie­len aus dem keltischen Baumkalen­der und entspricht somit auch dem Mot­to der CD. Die jew­eils ein­er Bau­mart – Birke, Ulme, Apfel­baum, Tanne, Zypresse, Wei­de, Eberesche – zuge­ord­neten sieben Sätze der Suite erzählen von heit­eren und anmuti­gen, ver­schlosse­nen und her­ben oder melancho­lischen und weit­eren Charak­teren. Jür­gen Geiger inter­pretiert die jew­eili­gen Nuan­cen sehr lyrisch, zart bis zurückgenom­men und plas­tisch kolo­ri­erend. Die vielfach kle­ingliedrige Musik, die ohne außer­musikalis­che Assozi­a­tio­nen zer­ris­sen wirken kann, erhält in der Interpreta­tion Geigers auch an solchen Stellen zumeist Zusammenhalt.
Daneben nutzt er Sätze, deren Ges­tus eher ein­er Orgelmusiktra­dition entspricht, wie etwa das „Ave Maria Stel­la“ der Orgelsin­fonie Nr. 2, wirkungsvoll. Für diese Orgelsin­fonie bevorzugt Geiger umfan­gre­ich weiche Klang­far­ben, set­zt aber auch Kon­traste ein.
Die Max Reger in memo­ri­am zugedachte Or­gelsinfonie bildet den Abschluss der CD. Ihr über weite Streck­en gewaltig-rhap­sodis­ch­er Charak­ter sowie auch die vie­len Details von rez­i­ta­­tivisch-erzäh­len­­den bis zu wütend-repet­i­tiv­en Pat­terns wer­den von Jür­gen Geiger akustisch anschaulich und überzeu­gend herausgearbeitet.
Das Book­let ist infor­ma­tiv, les­bar gestal­tet (Lay­out und Schrift­größe) und weist fast keine Tippfehler auf (lei­der hat sich im Außen­ti­tel des Book­lets der Fehler­teufel eingeschlichen: Hier wird die jün­gere der bei­den Orgelsin­fonien mit Nr. 13 statt 15 angegeben). Neben Info­tex­ten zu den Kom­po­si­tio­nen, Kurzbi­ografien und Dank find­en sich im Book­let die Dis­po­si­tio­nen der Ulrichs- und der Marienorgel.

Daniela Philip­pi