Kee, Piet

Performance for Alto Saxophone and Organ / Three Organ Pieces. Seventy Chords / Cervus / Voluntary on HSAE

Verlag/Label: Bärenreiter BA 9392, BA 9393
erschienen in: organ 2011/02 , Seite 60

Als Organ­ist und Kom­pon­ist leis­tet der Nieder­län­der Piet Kee einen gewichti­gen Beitrag für die zeitge­nössische Orgelkul­tur seines Heimat­landes. Mit den hier vorgelegten Werken ver­wirk­licht er einen schw­er zu beschreiben­den „postk­las­sizis­tis­chen“ Stil. Ein­er­seits schreibt er min­i­mal­is­tisch anmu­tende Aphoris­men, ander­er­seits ver­fol­gt er kon­se­quent seine jew­eils deut­lich umris­se­nen und daher leicht zu erfassenden kom­pos­i­torischen Ideen. Damit wird seine Musik zumin­d­est nicht zur Sklavin eines stilis­tisch eng definierten Orgel­typs. Die spiel­tech­nis­chen Anforderun­gen bewe­gen sich im mit­telschw­eren Bere­ich.
Per­for­mance für Alt-Sax­o­fon und Orgel ist schon wegen sein­er Beset­zung eine Rar­ität. Das kom­pos­i­torische Kern­ma­te­r­i­al beste­ht hier in erster Lin­ie aus Dreik­langs­brechun­gen, Sekund­vorhal­ten und einem markan­ten Zitat aus einem Zwis­chen­spiel der Bach’schen G-Dur-Orgelfuge (BWV 541). Der Orgel­part gibt Gele­gen­heit, die gesamte klan­gliche Band­bre­ite ein­er mit­tel­großen Orgel effek­tvoll-abwech­slungsre­ich vorzustellen. Und der Sax­o­fon­ist kann in diesem Stück sein­er Vir­tu­osität unge­hin­dert Lauf lassen; außer­dem soll er im Ver­lauf von Per­for­mance mehrmals seinen Stan­dort wech­seln, so dass dieses Stück auch von daher eine dra­matur­gis­che Dimen­sion erre­icht.
Sev­en­ty Chords ent­stand anlässlich des 70. Geburt­stags von Kees erst kür­zlich ver­stor­ben­em niederlän­dischen Organ­is­tenkol­le­gen Ewald Kooiman. Eine Folge von sieben Akko­r­den erfährt in zehn Phasen diverse Meta­mor­pho­sen. So gerät dieses Stück zu ein­er Cha­conne mit unter­schiedlich­sten Satztech­niken und Klang­far­ben. Eine beson­dere Ehrung erhält Kooiman als Lieb­haber und Ken­ner der franzö­sis­chen Barock­musik durch eine Vari­a­tion­se­quenz in Gestalt ein­er klas­sis­chen Ouvertüre à la française.
Cervus, eine Orgel­choral­bear­beitung über den 42. Psalm („Wie der Hirsch schre­it nach frischem Wass­er“), ist eine Auf­tragskom­po­si­tion für den nieder­ländis­chen Orgel- und Har­mo­ni­um­spiel­er Dirk Lui­jmes. Deshalb sind hier als Reg­istrierung haupt­säch­lich flö­tende und stre­ichende Stim­men gefordert. Der Inter­pret soll allerd­ings auch zweimal selb­st seine Singstimme erheben und im Zen­trum des Stücks „Ah, Cer­va“ („Ah, Hirschkuh“) sin­gen – eine eher skur­ril-humoris­tis­che Idee des Kom­pon­is­ten. Der Can­tus fir­mus der Choralmelodie ist leicht zu iden­tifizieren, wobei vor allem die zweite Ver­szeile mehrfach sequen­ziert wird. Das Stück ist in zwei Fas­sun­gen wiedergegeben: ein­mal für Har­mo­ni­um, ein­mal für Orgel.
Vol­un­tary on HSAE wurde von dem US-amerikanis­chen Organ­is­ten Philip Sawyer in Auf­trag gegeben. Das The­ma basiert auf den im Namen des Auf­tragge­bers enthal­te­nen Ton­na­men. Die Kom­po­si­tion präsen­tiert beredte Klang­di­aloge, vir­tu­ose Man­u­al- und Ped­al­mono­di­en sowie ein kurzes Fuga­to. Es ist trotz sein­er Kürze wie auch Sev­en­ty Chords bes­tens geeignet, die klan­glichen Möglichkeit­en der Orgel wirkungsvoll in Szene zu set­zen.
Wol­fram Syré