Franz Schmidt

Orgelwerke Vol. 3: Halleluja

Andreas Jetter an der Behmann-Orgel von St. Martin in Dornbirn (Österreich)

Verlag/Label: Ambiente ACD-2053 (2025)
erschienen in: organ - Journal für die Orgel 2026/01 , Seite 63

Mit seiner neuen CD legt Andreas Jetter den dritten Teil seiner seit 2023 erscheinenden Gesamteinspielung der Orgelwerke des großen Wiener Postromantikers Franz Schmidt (1874–1939) vor. Die Aufnahme knüpft nahtlos an das hohe künstlerische Niveau und die instrumentale Farbenpracht der beiden ersten Folgen an. Erneut erweist sich dabei die Behmann-Orgel der St. Martins-Kirche in Dornbirn als ideales Instrument. 1927 als „neue elektropneumatische Monumentalorgel“ gefeiert, wurde sie zuletzt 2001 von der Schweizer Orgelbaufirma Kuhn restauriert. Als größte Orgel Vorarlbergs ist sie ein einzigartiges Zeugnis. Die Nähe zwischen der Entstehungszeit der Werke (1924–28) und dem Bau der Orgel sowie die Einflüsse der Elsässischen Orgelreform auf ihre Konzeption schaffen ideale Voraussetzungen für eine historisch informierte Wiedergabe. Damit eröffnet Jetters Einspielung eine ganz neue Sichtweise auf Schmidts Orgel-Œuvre.
Mit der großformatigen Fantasie und Fuge D-Dur fasste Schmidt sein programmatisches Bekenntnis zu einem neuen Orgelverständnis in Töne: fernab vom orchestralen Klangideal eines Max Reger, hin zur Orgel als eigenständiges Instrument. Jetter vermittelt diese Posi­tion technisch souverän und klanglich differenziert, mit Sinn für strukturelle Durchhörbarkeit und dynamische Balance. Er spielt die Kontraste voll aus, doch entgleitet ihm niemals die Kontrolle über das Instrument.
In den Vier kleinen Präludien und Fugen, Ideenfundus für Schmidts Buch mit sieben Siegeln, arbeitet Jetter Polyphonie und strukturelle Klarheit eindrucksvoll heraus. Die feine Nuancierung dieser Miniaturen verdichtet sich in der klanglichen Vorstellung von Transparenz und formaler Prägnanz. Die schwierige G-Dur-Fuge meistert Jetter bravourös. Eindrucksvoll tritt im D-Dur-Halleluja-Präludium die mystische Dimension der Lobpreisung in einer monumentalen, festlichen Satzstruktur hervor. Waren Schmidts große Orgelwerke zunächst auf die Orgel im Wiener Musikverein zugeschnitten, so profitiert die neue Einspielung von Jetters feinem stilistischen Gespür im Umgang mit der Kirchenakustik.
Mit der Fuge F-Dur bietet Jetter eine bislang wenig bekannte, komplexe Trouvaille: Nach fantasievoller, frei gestalteter Introduktion entfaltet sich eine Fuge von kühler formaler Strenge und verblüffender innerer Logik, die thematisch an die Einleitung anknüpft. Bemerkenswert sind hier die kreativen Registrierungen. Mit geschicktem Wechsel der Klangfarben bringt Jetter (von der Tontechnik mit größter Klarheit eingefangen) die ganze klangliche Vielfalt des Instruments zum Leuchten und lässt die kontrapunktischen Linien in lebendiger Plastizität hörbar werden.
Das Booklet (D/E) wartet mit informativen Beiträgen Jetters zum Komponisten, den Werken, der Orgel sowie dem Interpreten auf. Bereits vor Abschluss der Gesamtaufnahme lässt sich hier von einem Referenzprojekt sprechen, das dem Orgelkomponisten Franz Schmidt mustergültig gerecht wird und ihn zugleich von ganz neuen Seiten zeigt.

Ulrike Aringer-Grau

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