Carsten Klomp

Orgelspiel von Anfang an

Verlag/Label: Dr. J. Butz, Bonn BU 2895
erschienen in: organ - Journal für die Orgel 2020/04 , Seite 60

Mit sein­er „Orgelschule für Anfänger“ lan­det Carsten Klomp – dies gle­ich vor­weg – einen echt­en Knüller! Weil hier näm­lich so ziem­lich alles zusam­men­stimmt, was es braucht, um motiviert mit dem Orgel­spiel zu begin­nen. Ins­beson­dere auch dann, wenn es, so die Idee, vo­raussetzungsfrei (also ohne mu­si­ka­lische bzw. klaviaturbe­zo­gene Vor­erfahrung) geschehen soll: durch und durch aus­gek­lügelt das didak­tis­che Konzept, über­sichtlich und grafisch attrak­tiv gestal­tet die inhaltliche Gliederung, humor­voll-motivierend der Sprach­duk­tus in den Textteilen.
Auf knapp hun­dert Seit­en hält das Lehrw­erk ins­ge­samt 41 Unter­richt­sein­heit­en bere­it, „wöchentliche Musikra­tio­nen“, wie der Autor es nen­nt. Sie wer­den auf jew­eils ein­er Dop­pel­seite präsen­tiert, wobei jede Ein­heit far­blich abge­set­zte Texte zu unter­schiedlichen The­menge­bi­eten aus den Bere­ichen Musik­lehre sowie Orgelkunde enthält (neb­st zu lösenden Auf­gaben, auch solchen zur Gehör­bil­dung) und jew­eils mit einem Ped­al­so­lo begin­nt. „Von Anfang an“ und ganz ele­men­tar kann sich also die/der Übende mit dieser ger­ade für Nicht-Organ­istIn­nen unge­wohn­ten Tech­nik ver­traut machen. Indes han­delt es sich hier nicht um monot­o­ne Ped­alübun­gen; genau­so wenig wie anson­sten etwa trock­ene Fin­gerübun­gen zu absolvieren wären. Vielmehr gibt’s in allen Zusam­men­hän­gen kleine Kom­po­si­tio­nen zu spie­len, „echte“ Musik also, in san­ft ansteigen­dem Schwierigkeits­grad. Das Spek­trum reicht dabei von ein­fachen Choral­bear­beitun­gen und Charak­ter­stück­en über Tänze und Car­il­lons bis hin zum ein oder anderen Abstech­er in die Bere­iche Swing und Rock.
Oben­drein find­en sich immer wieder augen­zwinkernde Zwis­chenüber­schriften, die zusät­zlich motivierend wirken: die Orgelkunde betr­e­f­fend heißt es da z. B. „Mal so richtig Wind machen“ oder „Kein Wei­de­land: Die Kop­peln“; oder auf die Musik­lehre bezo­gen etwa „What you see is what you get“ (Bes­tim­mung von übermäßigen/verminderten Inter­vallen). Clever zudem die (gestal­ter­ische) Idee, mit­tels eines „roten Fadens“ am Fuß jed­er Dop­pel­seite den Fortschritt im Durch­gang durch die Lernein­heit­en anzuzeigen. Lösung­sh­in­weise zu den Auf­gaben und eine beil­gelegte Übe-CD beschließen den Lehrgang.
Ein­führend in diesen ersten Band sein­er (auf zwei Bände angelegten) Orgelschule erläutert Klomp in einem Vor- bzw. Geleit­wort (für die Lehren­den) genau­so aus­führlich wie ein­leuch­t­end Anspruch, Struk­turierung und Hand­habung des Lehrw­erks. Hier wird auch erk­lärt, weshalb sich der Autor für kon­se­quentes Legatospiel während des Anfang­sun­ter­richts entsch­ieden hat. Wenn in der unmit­tel­bar sich anschließen­den „Kleinen Noten­lehre“ die Man­u­al- und Ped­al­tas­tatur grafisch sehr ansprechend dargestellt wer­den, so set­zt sich dieses Niveau der illus­tri­eren­den Darstel­lun­gen und später­hin auch far­bigen Fotografien (etwa von orgel­spez­i­fis­chen Details) im gesamten weit­eren Ver­lauf fort.
Faz­it: Orgel spie­len ler­nen – dieser Lehrgang zeigt ganz leicht­füßig, wie das gehen kann. Eine eben­so abwech­slungsre­iche wie klug-motivierende Ein­ladung also, das (Zitat) „schön­ste Instru­ment der Welt“ spie­lend für sich zu entdecken.

Gun­ther Diehl