Orgelpunkt. Historic Organ de Villanueva de Huerva, Aragón, Spanien

Anna Pikulska, Orgel

Verlag/Label: Musikproduktion Dabringhaus und Grimm, MDG 951 2389-6 (2026)
erschienen in: organ - Journal für die Orgel 2026/03 , Seite 60

Das Instrument in der Kirche Nuostra Señora de los Angelos in Villanueva de Huerva (Provinz Saragossa, Spanien) ist typisch – sowohl für die Genese als auch das Schicksal vieler historischer Orgeln Aragóns: Der in die Gotik zurückreichende Prinzipalchor wurde 1607 erweitert und im 18. Jahrhundert nochmals überformt. Nach über hundertjähriger Vernachlässigung restaurierte Christine Vetter 2005 den wertvollen Bestand, aus dem sie unter anderem Rattennester entfernen musste. Das Ergebnis ist ein ungemein farbiges Werk mit charakteristischen Flöten, einem dichten Plenum und wahrhaft königlich schmetternden Zungenstimmen.
Aus gutem Grund hat die polnische Organistin Anna Pikulska, aus­gebildet unter anderem bei Gerhard Gnann in Mainz und Jacques van Oortmerssen in Amsterdam, nicht nur iberische Musik ausgewählt. Die europäische Universalität des einmanualigen Instruments mit geteilten Registern offenbart sich neben den bei diesem Orgelstil erwartbaren Werken etwa von Pedro de Araujo, Sebastian Aguilera de Heredia oder Jusepe Ximénez in Kompositionen aus Italien und den spanischen Niederlanden. Variationsreihen von Jan Pieterszoon Sweelinck sowie Einzelsätze von Girolamo Frescobaldi und Bernardo Storace stehen dem klangschönen Instrument vorzüglich zu Gesicht. Weniger bekannt sind Manuel Narro (1729–76) oder José de Nebra (1702–68); die Toccata des Letzteren neigt bereits etwas zum Opernhaften, wie man dies von italienischer Musik des Spätbarock kennt.
Das dreisprachige Booklet (E, F, D) informiert über die Orgel (Christine Vatter), die Interpretin und teilt die Registrierungen mit. Ton Koopman geht knapp auf die eingespielten Werke ein; sein Beitrag liest sich teilweise jedoch eher wie eine Besprechung.
Als anerkannte Spezialistin für Alte Musik lässt Anna Pikulska in ihrer subtilen und abwechslungsreichen Interpretation keine Wünsche offen. Geschickt nutzt sie die Möglichkeiten der Klaviaturteilung und wählt die Registrierungen auch über Werkgrenzen hinweg so, dass eine schlüssige und durchkomponierte Hörfolge entsteht. Neben berückend zarten Momenten sind freilich die von der Musikerin zupackend, geradezu angreiferisch angegangenen Batallas die Glanzstücke, bei denen die horizontalen Zungenregister dank der präzisen Aufnahmetechnik schier aus den Lautsprechern, respektive Kopfhörern herauszuwachsen scheinen.

Markus Zimmermann

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