Orgelmusik zum Ende des Kirchenjahres

hg. von Andreas Rockstroh

Verlag/Label: Bärenreiter BA 9566
erschienen in: organ 2012/02 , Seite 56

Der Bären­re­it­er-Ver­lag set­zt mit diesem Band eine Rei­he fort, in der bere­its Bände mit litur­gis­ch­er Orgel­musik zur Pas­sions- und Osterzeit und zur Wei­h­nacht­szeit erschienen sind. Kon­se­quenter­weise beschränkt der Her­aus­ge­ber auch in diesem Band die Auswahl auf Kom­pon­is­ten der Spätro­man­tik. Die meist choral­ge­bun­de­nen Werke stam­men von eher weniger beachteten Kom­pon­is­ten wie Forch­ham­mer, Claußnitzer, Weyh­mann, Wei­den­hagen, Gul­bins und Wol­frum. Als „Schmankerl“ sind zwei Tran­skrip­tio­nen von Chopins berühmtem Trauer­marsch und „Selig, die da Leid tra­gen“ aus Brahms’ Requiem enthal­ten, die bei­de auch auf der Orgel ein dankbares Pub­likum find­en wer­den.
Wirk­lich geniale Schöp­fun­gen sucht man hier verge­blich, dafür wird man mit ein­er Fülle an solide kom­poniert­er und gut klin­gen­der Gebrauch­slit­er­atur reich­lich entschädigt. Die Stücke sind nach den The­men­bere­ichen „Ende des Kirchen­jahres“, „Angst und Ver­trauen“, „Gebor­gen in Gottes Liebe“, „Ster­ben und ewiges Leben“ und „Bestat­tung“ geord­net. Damit ist der Band viel­seit­iger ver­wend­bar, als der Titel es zunächst ahnen lässt. Nicht nur im Novem­ber wird man gerne darauf zurück­greifen, denn die aller­meis­ten Choral­bear­beitun­gen lassen sich das ganze Jahr hin­durch bei Begräb­nis­gottes­di­en­sten gut gebrauchen.
Ver­schwiegen sei nicht, dass zur klangvollen Darstel­lung eine Orgel aus dem späten 19. Jahrhun­dert ide­al wäre, ein mod­ernes Instru­ment immer­hin ein Min­i­mum an roman­tis­chen Far­ben aufweisen sollte, da eine kon­se­quent neo­barock disponierte Orgel den Werken kaum zu einem befriedi­gen­den Klangge­wand ver­helfen wird. Der vom Ver­lag angegebene Schwierigkeits­grad „leicht bis mit­telschw­er“ ist rel­a­tiv opti­mistisch ange­set­zt. Die meis­ten Werke bewe­gen sich im Schwierigkeits­grad von Regers op. 67 und sind damit schon keine aus­ge­sproch­ene Pri­ma-Vista-Lit­er­atur mehr.

Axel Wilberg