Organ and Piano

Jan von Busch an der Rasche-Lütkemüller-Orgel in Kessin und der Wäldner-Orgel in Rostock; Johann Blanchard am Bechstein-Flügel

Verlag/Label: Dabringhaus und Grimm, MDG 903 2375-6 (2025)
erschienen in: organ - Journal für die Orgel 2025/04 , Seite 59

Werke von Félix Alexandre Guilmant, César Franck, Sigfrid Karg-Elert, Charles Tournemire und Flor Peeters

Bewertung: 3 von 5 Orgelpfeifen

Keine Frage: Dies ist eine sehr schöne CD. Der Pianist Johann Blanchard und der Organist Jan von Busch widmen sich dem Repertoire für Klavier und Orgel, eine ebenso erlesene wie problematische Besetzung. Denn wo ein ausgewachsener Konzertflügel steht, ist nicht unbedingt eine adäquate Orgel vorhanden, oder umgekehrt. Oft genug gibt es neben akustischen
logistische Probleme, die eine Realisierung dieser Besetzung selten genug machen.
Auch das Repertoire dieser Einspielung ist ungemein spannend: César Francks Prélude, Fugue et Variation ist zwar hinreichend bekannt, in der Duobesetzung jedoch kaum zu hören. Deutlich weniger bekannt sind die Poesien op. 35 von Sigfrid Karg-Elert, spätromantische Pretiosen, die eine äußerst subtile Gestaltung verlangen. Diese lassen die beiden Interpreten nicht nur diesem Werk zweifelsohne angedeihen. Jan von Busch und Johann Blanchard sind ein formidables Duo. Beide überzeugen im Team, aber auch als Solisten, etwa bei Flor Peeters’ virtuosem Concerto op. 74.
Blanchard spielt den ersten Teil des Poème Mystique op. 33 von Charles Tournemire; allein dafür lohnt sich der Kauf dieser CD. Tournemire ist ein als Schlüsselkomponist zwischen der Romantik seines Lehrers Franck der Moderne à la Messiaen noch immer deutlich „unterbelichtet“ – nicht nur, wenn man sein Opus magnum L’Orgue Mys­tique bedenkt! Blanchard spielt Tournemires „mystische Dichtung“ mit der gebotenen Subtilität – das Ergebnis ist brillant.
Jan von Busch widmet sich an der Rasche-Lütkemüller-Orgel in Kessin fünf der Noëls op. 60 von Alexandre Guilmant. Er spielt musikalisch makellos und formvollendet, die Musik atmet – nur klingt sie alles andere als französisch. Zwar macht das 2000 von Schuke restaurierte Instrument mit sehr charakteristischen Einzelstimmen und
einem runden Gesamtklang einen sehr schönen Eindruck, doch gibt es weder Zungenstimmen noch ein Schwellwerk. Es fehlt einfach zu viel, als dass man ausgerechnet Guilmants Musik an dieser zweifellos wertvollen und edel klingenden Orgel aufnehmen müsste. Das französische Flair fehlt trotz von Buschs wirklich sehr schönem Spiel völlig.
Gleiches gilt für die noch kleinere Wäldner-Orgel der CJD Christophorusschule Rostock, wo die Werke für Klavier und Orgel aufgenommen wurden. Auch sie ist ein sehr schönes und wohlklingendes Instrument. Aber während man bei vielen Aufnahmen Angst um das Klavier haben muss, das von einer gigantischen Orgel untergebuttert zu werden droht, haben wir es hier mit dem ent­gegengesetzten Fall zu tun. Solange die Musik im p- oder mf-Bereich bleibt, ist die Klangbalance prima, darüber hinaus wird es aber problematisch, gerade auch bei Flor Peeters’ Concerto. – Beide Interpreten spielen ausgezeichnet. An einer wirklich symphonisch klingenden Orgel hätte diese Aufnahme außerordentlich gewonnen.

Guido Krawinkel

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