Radulescu, Michael

Madrigali (2010) für Orgel

Verlag/Label: Doblinger 02 478
erschienen in: organ 2013/03 , Seite 63

Mit ein­er Spiel­d­auer von rund 22 Minuten gehören die in neun Stro­phen gegliederten Madri­gali Michael Rad­ules­cus zu den größeren neuen Stü­cken für die Orgel. Durch den Titel wird eine klare Ableitung von der Tra­di­tion des mehrstim­mi­gen Gesangs indiziert. So bleibt die Musik lin­ien- und flächenori­en­tiert; sie wird von lang aus­gestreck­ten Klän­gen dominiert und gibt sich ins­ge­samt weiträu­mig med­i­ta­tiv. Als Bau­plan für die Har­monik erläutert der 1943 in Rumänien geborene Kom­pon­ist zu Beginn an Mes­si­aen erin­nernde auf- und absteigende Modi sowie eine Abfolge von als „Sub­jec­tum“ beze­ich­neten neun Tönen neb­st Umkehrung. Auch eine Ton­wor­taus­deu­tung der Anfangs­buch­staben ein­er Evo­lu­tio wer­den erk­lärt: „In nocte ars lucis et solis“, es offen­bart sich hier pro­gram­ma­tisch der Inhalt des Werks.
In san­fter Reg­istrierung, die exem­plar­isch von der neu restau­ri­erten Egedacher-Orgel in Vorn­bach am Inn abgeleit­et ist, öffnet sich die Musik in freier, glock­enähn­lich­er Umkreisung weich­er Har­monik, die ent­fer­nt einen Dom­i­nantsep­takko­rd durch­schim­mern lässt. Die 2. Stro­phe reißt die Musik in ein presto e agi­ta­to aus Ton­wieder­hol­un­gen und Trillern, die in ständi­ge Tak­twech­sel einge­bet­tet sind, ohne ihre flächige Dichte zu ver­lieren. Auf­blühende Klang­wolken im Andante weben sich auch im fol­gen­den Tran­quil­lo-Abschnitt nach oben. Minimalis­tisch umkreisend ist die 4. Stro­phe für das Plenum notiert, das in einen von Pausen durch­broch­enen Ab­schnitt mün­det. Auf insistieren­den Ton­wieder­hol­un­gen basiert der vor­wärts­drän­gende näch­ste Teil, bevor sich die Musik gegen Ende zum Pianis­si­mo abbaut.

Dominik Susteck