Kölner Fanfaren

17 festliche Orgelstücke, hg. von Winfried Bönig und Hans-Peter Bähr

Verlag/Label: Dr. J. Butz-Musikverlag 2500
erschienen in: organ 2013/02 , Seite 61

Köl­ner Fan­faren ist der Titel ein­er Samm­lung von 17 Auf­tragskom­po­si­tio­nen für die Orgeln des Köl­ner Doms unter Berück­sich­ti­gung ins­beson­dere der bei­den neuen Hochdruck­reg­is­ter Tuba epis­co­palis und Tuba capit­u­laris (Orgel­bau Klais). Die Edi­tion präsen­tiert sich groß­for­matig, was im Ver­bund mit dem gut les­baren Satz- und Druck­bild dem Spiel­er die Les­barkeit sehr erle­ichtert. Der Gat­tungs­be­griff „Fan­fare“ ist in diesem Fall for­mal weit­er zu fassen, da manche Stücke eine eher freie Gestal­tung oder toc­cat­en-ähn­lichen Charak­ter aufweisen.
Der Band hält einen net­ten Ein­stieg parat aus der Fed­er des jüngst erst ver­stor­be­nen ein­sti­gen Münch­n­er Domor­gan­is­ten und Orgel­pro­fes­sor Franz Lehrn­dor­fer, dessen heit­ere Kom­po­si­tion in klas­sis­ch­er A‑B-A-Form sich rasch erler­nen lässt. Wichtig ist, dass sich die meis­ten dieser Stücke adäquat auf jed­er mit­tel­großen Orgel, die wenig­stens über eine sonore Plenumzunge der 8’-Lage im Man­u­al ver­fügt, darstellen lassen, und nicht nur auf der opu­len­ten Orge­lan­lage des Köl­ner Doms.
Die Kom­po­si­tio­nen von Robert Jones, Gere­on Krah­forst, Christo­pher Tam­bling (mit rhyth­mis­ch­er Anlehnung an Elgars Marsch Nr. 4 aus Pomp and Cir­cum­stance), Col­in Maw­by und Harold Brit­ten ste­hen mehr oder weniger in direk­ter Nach­folge englis­ch­er Trum­pet-Tunes und Pro­ces­sion­al-Fan­fares. Allerd­ings bleibt es dankenswert­er­weise auch nicht auss­chließlich bei dieser Stilis­tik. Peter Planyavskys  typ­isch „wort­ge­witztes“ kurzes Stück lässt sich da schon weniger klar typ­isieren; Michael Hoppes Trum­pet Tune endet eher als Toc­ca­ta mit „Can­tus-fir­mus-Durch­führung“ im Bass. Inter­es­sant und auch wirk­lich fan­fare­nar­tig ist die Oster-Fan­fare von Mas­si­mo Noset­ti; in Anlage und Spielfig­u­ra­tion vielle­icht etwas plaka­tiv Res­ur­rec­tio von Enjott Schnei­der; archaisch anmu­tend und wirkungsvoll durch die organalen Anklänge die Entra­da y Batal­la von Hans Dieter Möller; durch ihren har­monis­chen Klangza­uber bestechend Con­trastes von Daniel Roth. Die Köl­ner Fan­fare von Dar­iusz Przy­byl­s­ki entwick­elt einen inter­es­san­ten Per­son­al­stil und zählt schon zu den schwierigeren Stück­en des Ban­des. Das vir­tu­ose Trum­pet Tune von Bern­hard Blitsch erin­nert anfänglich an Prokof­jews Toccata.
Die Batal­la aus der Fed­er des amtieren­den Köl­ner Domor­gan­is­ten Win­fried Bönig (mit Rem­i­niszen­zen an Duprés Sym­phonie-Pas­sion) zählt für mich fra­g­los zu den bes­ten Stück­en des Hefts. Hier ste­hen neben der gekon­nten Machart die exzel­lente Wirkung und der Übeaufwand in ein­er per­fek­ten, aus­ge­wo­ge­nen Rela­tion zueinan­der. Als gelun­gen und zugle­ich tech­nisch anspruchsvoll erweist sich das anschließende Alla batal­la von Odi­lo Klasen, während man sich bei den die Samm­lung abschließen­den East­er Fan­fares des US-Amerikan­ers Stephen Tharp ern­sthaft die Frage stellt (eine sehr wind­sta­bile Orgel und eine sehr lockere und aus­dauernde Rep­e­ti­tion­stech­nik voraus­ge­set­zt!), ob sich der übetech­nis­che Aufwand, den man in dieses Stück investieren müsste, tat­säch­lich lohnt und man nicht gle­ich lieber in ähn­lichem Stil improvisiert 
Ins­ge­samt bilden die Köl­ner Fan­faren eine sehr inter­es­sante Samm­lung von Werken unterschiedlichs­ter stilis­tis­ch­er Couleur und dif­ferieren­dem Schwierigkeitsgrad.

Chris­t­ian von Blohn