Bach, Johann Sebastian

Italienisches Konzert F-Dur BWV 971

Bearbeitung für Orgel von Heinz-Peter Kortmann

Verlag/Label: Edition Dohr 16455
erschienen in: organ 2017/03 , Seite 54

Dieses Konz­ert bietet sich durch seine klar gegliederte Con­cer­to-Form ger­adezu an, für die Orgel tran­skri­biert zu wer­den. Selb­st Arrange­ments für unter­schiedlich­ste Orch­esterbe­set­zun­gen sind von diesem Werk auf dem Markt, obwohl der Kom­pon­ist im Vor­wort unmissver­ständlich anmerk­te: „…vor ein Clav­izym­bel mit zweyen Man­ualen …“. Insofern stellt sich bei der Beurteilung dieser Tran­skrip­tio­nen stets die Frage, wie es sich expliz­it ger­ade mit diesem Werk ver­hält. Ander­er­seits kann man ent­ge­gen­hal­ten, dass es zu dieser Zeit gang und gäbe war, den Begriff „Clavier“ recht weit zu fassen, wiewohl Bach ja selb­st beim Tran­skri­bieren nicht ger­ade absti­nent war.
Will damit sagen, dass Heinz-Peter Kort­manns Edi­tion abso­lut ihre Berech­ti­gung besitzt, obwohl damit BWV 971 nicht zum ersten Mal für die Orgel über­tra­gen wurde. An ver­schiede­nen Details kann man erken­nen, dass Kort­mann als Vor­lage nicht die bei­den Erst­drucke von 1735 sowie Bachs Han­dex­em­plar des Erst­drucks mit eini­gen Verbesserun­gen benutzte, son­dern auf eine der zahlre­ichen Urtex­taus­gaben zurück­griff.
Auf der Innen­seite des Titel­blatts gibt es ein knapp gehaltenes Vor­wort mit haupt­säch­lich ana­lytis­chen Anno­ta­tio­nen zum Auf­bau der einzel­nen Sätze. Auf einen kri­tis­chen Bericht, der ohne­hin bei ein­er der­ar­ti­gen Aus­gabe keinen recht­en Sinn macht, wurde verzichtet. Den­noch wären einige Hin­weise auf diverse Verän­derun­gen der Stimm­führung und auf zusät­zliche Ergänzun­gen dur­chaus hil­fre­ich gewe­sen. Das bet­rifft neben eini­gen Artiku­la­tion­sze­ichen vor­rangig den zweit­en Satz, dessen markante Ton­rep­e­ti­tio­nen der linken Hand in ganz wesentlichem Maße den Duk­tus der Begleit­stimme aus­machen. Kort­mann hat diese Ton­rep­e­ti­tion in Oktavsprünge des Ped­als aufgelöst. Bach verzichtete jedoch bewusst da­rauf, um dem Affekt dieses Satzes eine deut­liche Präg­nanz zu geben.
Das im Orig­inal­text oft vork­om­mende Kon­tra-A des Cem­ba­los hat der Her­aus­ge­ber jew­eils sin­nvoller­weise nach oben oktaviert, allerd­ings dafür in einem Fall das (auf der Orgel nicht aus­führbare) Kon­tra-B im Ped­al ste­hen lassen. Apro­pos Klaviatu­rum­fänge: Es wäre prak­tik­a­bel gewe­sen, im Ped­al die Töne d’ und es’ zu ver­mei­den, um mit dieser Tran­skrip­tion auch auf ein­er his­torischen Orgel gut zurechtzukom­men. Sehr üppig hat Kort­mann den Noten­text mit Fin­ger­sätzen verse­hen. Das ist ein­er­seits lobenswert, aber nicht unbe­d­ingt jed­er­manns Sache. Die Ein­rich­tung der Ped­al­stimme beschränkt sich auf eine Basslin­ie ganz in Stil des Bas­so con­tin­uo. Insofern wer­den dem Spiel­er keine nen­nenswerten spiel­tech­nis­chen Hür­den in den Weg gelegt. Die Angaben zu den Man­u­al­wech­seln sind – wie im Erst­druck notiert – auf „Forte“ und „Piano“ beschränkt. Ins­ge­samt han­delt es sich um eine im Noten­bild sehr angenehm zu lesende und empfehlenswerte Edi­tion, bei der man, deut­lich erkennbar, Wert auf gute Wen­destellen legte.

Felix Friedrich