Holzhey Organ Rot an der Rot

Musik von J. S. Bach, François Couperin, Anonymus (Pistoia), Padre Davide da Bergamo, Louis-James Lefébure-Wély und Josef Gabriel Rheinberger

Verlag/Label: Oehms Classics OC 414 (2011)
erschienen in: organ 2012/02 , Seite 51

4 von 5 Pfeifen

Der Inter­pret, mit sein­er „Haus­orgel“ hör­bar bestens ver­traut und durch sein Stu­di­en bei Ton Koop­man aus­gewiesen­er Fach­mann für Alte Musik, präsen­tiert hier ein instruk­tives Pro­gramm, das die Vorzüge und unter­schiedlichen klan­glichen Facetten des Instru­ments in ihrer ganzen Vielfalt zur Gel­tung bringt.
Gle­ich am Beginn der CD inter­pretiert Raml auf dem vorzüglich restau­ri­erten Instru­ment (bei „his­torischen“ Orge­lauf­nah­men lei­der nicht die Regel) Bachs Pièce d’Orgue in G mit jugendlich­er Verve und leuch­t­en­den Far­ben in wun­der­bar luzi­den Reg­istrierun­gen. Durch die für süd­deutsche Orgeln typ­is­chen Klänge wie etwa der „hauchig-gläserne“ Ton gewiss­er 8’-Labiale oder auch die flötenuhrar­tige Herange­hensweise Ramls an den zweit­en Satz kann man der fol­gen­den Pas­torel­la unge­wohnte klang­far­bliche Facetten abgewin­nen.
Wohl wegen des für eine süd­deutsche Orgel rel­a­tiv hohen Dis­po­si­tion­san­teils von Zun­gen­stim­men schließen sich Stücke aus François Couperins Orgelmessen an, u. a. das wohlbekan­nte „Offer­toire sur les Grands Jeux“ aus der Messe Solem­nelle à l’usage des Paroiss­es (in diesem Punkt irrt der Book­let­text, der das Stück mit dem Pen­dant aus der ver­gle­ich­sweise schlichter gestal­teten Kloster-Messe des Kom­pon­is­ten ver­wech­selt), dessen ersten Teil Raml mit bemerkenswert­er „égal­ité“ wiedergibt. Manch franzö­sis­ch­er Zun­gen-Lieb­haber mag vielle­icht an den etwas ger­aderen und weichen deutschen Zun­gen­stim­men Anstoß nehmen.
Dafür klingt die Holzhey-Orgel in Rot bei den sich anschließen­den anony­men ital­ienis­chen Ver­set­ten ohne Abstriche ein­fach fan­tastisch, eben­so bei dem opern­haft bee­in­flussten Offer­to­ri­um von Padre Davide da Berg­amo. Hier­auf unmit­tel­bar zwei Werke von Léfebu­re-Wély fol­gen zu lassen, ist keine schlechte Idee, auch hier bietet der frische Holzhey-Klang eine akzept­able Alter­na­tive zu Cavail­lé-Coll.
Auch die abschließende Sonate Nr. 4 a-Moll von Rhein­berg­er über den „tonus pere­gri­nus“, ein Stück ern­sten Charak­ters, wird von Raml sou­verän gestal­tet. Es ist erstaunlich, dass die etwa zur Zeit der Wiener Klas­sik ent­standene Orgel (natür­lich mit hör­bar­er Ver­wurzelung in barock­er Tra­di­tion) der roman­tis­chen Fak­tur des Stücks entspricht. Lediglich im ersten Satz macht sich, auch wegen der mix­turlasti­gen Reg­istrierung, an manchen Stellen die – für eine his­torische Tem­perierung mod­er­ate – Val­lot­ti-Stim­mung bemerk­bar. Dafür wartet der zweite Satz mit aparten Grund­stim­men auf, und die abschließende Fuge bringt das Plenum des großar­ti­gen Instru­mentes nochmals vol­lauf zur Gel­tung.

Chris­t­ian von Blohn