Scheidt, Samuel

Handschriftlich überlieferte Werke für Clavier (Orgel, Cembalo)

hg. von Pieter Dirksen

Verlag/Label: Edition Breitkopf 8831
erschienen in: organ 2012/02 , Seite 56

Der Ver­lag Bre­itkopf & Här­tel hat sich bere­its mit der Neuaus­gabe der Tab­u­latu­ra Nova aus dem Jahr 1624 (hg. von Har­ald Vogel) um das Mu­sikschaffen des großen Sweel­inck-Schülers ver­di­ent gemacht. Diese bedeu­tende Samm­lung von „Clavier­w­erken“ stellt den ersten Tas­ten­musik-Druck in Deutsch­land dar, bei dem die fün­flinige Par­ti­turno­ta­tion Anwen­dung fand. Nun liegt in der­sel­ben Rei­he auch eine neue Edi­tion der hand­schriftlich über­liefer­ten und Schei­dt zugeschriebe­nen Werke vor. Sicher­lich ist die Tab­u­latu­ra Nova als das unange­focht­ene Hauptwerk des Kom­pon­is­ten anzuse­hen, das ihm schon zu Lebzeit­en entsprechen­den Ruhm garantierte. Gle­ich­wohl stellen die in dem vor­liegen­den Band ver­sam­melten Toc­cat­en, geistlichen und weltlichen Vari­a­tion­szyklen keineswegs automa­tisch einen qual­i­ta­tiv nachrangi­gen Beitrag des Kom­pon­is­ten zur Tas­ten­musik des 17. Jahrhun­derts dar. Ein ent­deck­ungs­freudi­ger Spiel­er find­et hier reich­lich wun­der­volle Musik, die meist wahlweise auf der Orgel oder dem Cem­ba­lo inter­pretiert wer­den kann. Her­vorge­hoben seien die Vari­a­tio­nen zu „Wie schön leucht’ uns der Mor­gen­stern“ und die spiel­freudi­ge Berga­m­as­ca. Das reich­lich mit Finger­sätzen beze­ich­nete Prae­ludi­um in d bietet zudem wun­der­bares Stu­di­en­ma­te­r­i­al für his­torische App­lika­turen. Weit­er­hin wur­den alter­na­tive Vari­anten der Tab­u­latu­ra Nova abge­druckt. Ins­beson­dere das infor­ma­tive Vor­wort des Her­aus­ge­bers und der aus­führliche kri­tis­che Bericht erfüllen alle Anforderun­gen an eine zeit­gemäße kri­tis­che Note­naus­gabe.

Axel Wilberg