Matthias Schneider

Handbuch Aufführungspraxis Orgel

Band 2: Von Bachs Söhnen bis zur Gegenwart

Verlag/Label: Bärenreiter, Kassel 2026, 280 Seiten, 55 Euro
erschienen in: organ - Journal für die Orgel 2026/02 , Seite 56

In Fortsetzung des 2019 erschienenen ersten Teils (Vom Mittelalter bis Bach) seines Vademecums zur Aufführungspraxis Orgel folgt der Autor dem bewährten Duktus einer Auswahl an Parametern von Orgelspielepochen, Instrumentenbauspezifika, Komponisten, exemplarischen Stü­cken und aufführungspraktischen Interpretationshinweisen. Dabei schöpft er aus seinen jahrzehntelangen künstlerischen wie pädagogischen und musikwissenschaftlichen Erfahrungen als Interpret, Greifswalder Hochschullehrer, ehemaliger Präsident der Gesellschaft der Orgelfreunde und kundiger Diagnos­ti­ker sowie internationaler Kommunikator einer Gesamtkultur der Orgel.In 23 Kapiteln werden dem praktizierenden Organisten wie dem Or­gelliebhaber Wege durch zwei Jahrhunderte Orgelkultur sowie ein Repetitorium an epochalen Charakte­ristika aufgezeigt. Beeindruckend, mit welchem Spürsinn und treff­sicherer didaktischer Supervision der Autor hier vorgeht! Dabei ist die Darstellungsweise stets klar und natürlich, der Leser wird in der dem Verfasser eigenen sympathischen Charakteristik in die Faszination von Orgelklang und Orgelspiel lebendig eingeführt. Dies geschieht je Komponist in exemplarischen Auswahlkompositionen, die anregen wollen, individuell an stilistischen Spezifika weiter zu arbeiten, um ein Nachdenken über Orgelkultur in Nachhaltigkeit zu kultivieren.
Der Weg führt von Carl Philipp Emanuel Bach über Christian Heinrich Rinck, Mendelssohn Bartholdy, Schumann, August Gottfried Ritter und Liszt zu den großen französischen Exponenten César Franck, Alexandre Guilmant und Marcel Dupré, schließt Exkurse über Brahms, Reger und Edward Elgar ein, fächert Symptomatisches bei Paul Hindemith, Olivier Messiaen und Jehan Alain auf und facettiert Spe­zifika eines Siegfried Reda, Nicolaus A. Huber, Arvo Pärt, um dann mit Sofia Gubaidulinas Symbolismen und Liselotte Kunkels jazzorientiert-choralgebundenen Improvisata pointiert abzuschließen. – Notenbeispiele, Literaturangaben sowie Orts- und Personenverzeichnis runden die exemplarische Publikation vorteilhaft ab.

Wolf Kalipp

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