Gli Organi della Sardegna

Alghero – Cattedrale di Santa Maria, Vol. 1. Giovanni Solinas an der Vincenzo Mascioni-Orgel (1935) der Cattedrale di Santa Maria Alghero, Sardegna, Italien

Verlag/Label: Motette, CD MOT 15115 (2025)
erschienen in: organ - Journal für die Orgel 2025/04 , Seite 63

Werke von Guillaume Dufay, Orlando di Lasso, Johann Sebastian Bach, Charles Gounod, Dante Fer­rari, Giovanni Solinas, Denis Bédard, Marco Enrico Bossi, Josef Rhein­berger u. a.

Bewertung: 1 von 5 Orgelpfeifen

Gli organi della Sardegna – „Die Orgeln von Sardinien“, so vielversprechend lautet der Titel dieser CD des italienischen, aus Alghero stammenden und derzeit als Kirchenmusiker in Deutschland tätigen Organisten Giovanni Solinas. „Die Orgeln Sardiniens“ – eine geplante Reihe von Einspielungen an bedeutenden historischen Instrumenten der italienischen Insel vielleicht? In Volume 1 wird nur ein einziges Instrument vorgestellt: die Mascioni-Orgel von 1935 in der Kathedrale Santa Maria von Alghero. Das mehrsprachige Booklet verrät wenig über Stadt und Kirche, umso mehr über den Interpreten, der allein elf mal in allen möglichen Posen abgebildet ist.
Klingende Porträts von Orgeln bieten stets Gelegenheit, deren wichtigste Klangmöglichkeiten anhand eines vielseitigen Programms zu demonstrieren. Mascioni ist eine der ältesten und bedeutendsten italienischen Orgelbauwerkstätten – warum also nicht ein Instrument dieses Ateliers vorstellen, noch dazu aus der interessanten Übergangszeit in den ersten Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts? Der Blick auf die Disposition dieser recht kleinen zweimanualigen Orgel (eine einzige Zungenstimme) und das gewählte Programm des Interpreten machten mich neugierig: Wie würde das wohl zusammengehen?
Musik von vorbarocken Meis­tern und J. S. Bach im ersten Teil, eher gefällige Werke von Marco Enrico Bossi, Denis Bédard, Josef Rheinberger und aus der Feder des Interpreten selbst im weiteren Verlauf. – Guillaume Dufay und Orlando di Lasso erweisen sich als ausgesprochen lahm gespielt und obendrein verstimmt klingend. So mag man das heute nicht mehr hören; es gibt viele historische, mitteltönig temperierte Orgeln in Italien, an denen diese Musik als reines Vergnügen erklingen würde. Die Mascioni-Orgel und die Akustik klingen insgesamt dumpf und topfig, die eingesetzten Klangfarben wenig qualitätvoll. Bachs Magnificat-Fuge bietet sich in einem unausgewogenen neobarocken Plenum-Klang dar, der vom spitzen Ripieno und der plärrenden Tromba dominiert wird.
Danach wird es etwas besser, die romantischen Musikstücke können von den eingesetzten dunkleren und weicheren Klangfarben der Mascioni einigermaßen profitieren. Die Orgel ist insgesamt nicht sehr überzeugend und bei weitem kein singuläres Instrument, das man unbedingt kennen sollte. Giovanni Solinas wählt für seine Interpretationen sehr ruhige und wenig flexibel erscheinende Tempi. Entsprechend der am ehesten als „kontemplativ“ zu würdigenden Werkauswahl ist es leider sehr anstrengend, der CD mit Aufmerksamkeit bis zu Ende zu­zuhören. Zumindest mir erschließt sich der Sinn dieser Veröffentlichung nicht.

Christian Brembeck

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