Frobergers Reisen

Werke von Luzzaschi, Gabrieli, Weckmann, Poglietti, Froberger, Couperin, Steigleder, Ebner, Kerll, Frescobaldi, Rossi

Verlag/Label: 2 CDs, Raumklang RK 3503 (2016)
erschienen in: organ 2016/03 , Seite 54

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Die öster­re­ichis­che Cem­bal­istin Mag­dalena Hasibed­er hat sich anlässlich des 400. Geburt­stags von Johann Jacob Froberg­er ein­er beson­ders span­nen­den und erhel­len­den Spuren­suche gewid­met, die unter dem Mot­to Froberg­ers Reisen Orgel- und Clavier­w­erke des Jubi­lars sowie – anhand von klug aus­gewählten Beispie­len – einiger bedeu­ten­der Zeitgenossen und (möglich­er) Vor­bilder vere­int.
Hasibed­er bün­delt auf der ersten CD auss­chließlich Cem­balow­erke, auf der zweit­en dann eher der Orgel zugedachte Werke. Das hier­für benützte Instru­men­tar­i­um kön­nte fein­er nicht sein: Zwei Cem­bali aus der Samm­lung des Würt­tem­ber­gis­chen Lan­desmu­se­ums Stuttgart und die berühmte, erst kür­zlich restau­ri­erte Wöck­herl-Orgel der Wiener Franziskan­erkirche sind hier be­redte und äußerst authen­tis­che klan­gliche Darstel­lungsme­di­en.
Auf der ersten CD zeich­net Hasibed­er die Lebens- und Reis­es­ta­tio­nen des außergewöhn­lich weit he­rumgekommenen Meis­ters nach: Stuttgart (wo der Knabe aufwuchs), Dres­den (berühmt durch Froberg­ers „edlen Wettstre­it“ mit Matthias Weck­mann), Wien (des Meis­ters eigentlich­er Dien­stort als kaiser­lich­er Organ­ist), Paris (Stätte fre­und­schaftlich-frucht­bar­er Begeg­nung mit Louis Couperin), Lon­don, das Rhein­land und Brüs­sel (Reis­es­ta­tio­nen, die in Froberg­ers Clavier­w­erk anhand man­nig­faltiger musikalisch-pro­gram­ma­tis­ch­er Schilderun­gen Ein­gang gefun­den haben).
Zwei Werke kön­nten den Knaben Froberg­er in sein­er Kind­heit geprägt haben: eine fan­tastisch-madri­galeske Toc­ca­ta von Luz­za­s­co Luz­za­schi so­wie eine streng gehal­tene Can­zona von Gio­van­ni Gabrieli. Das ist inso­fern inter­es­sant, als zwei der wich­tig­s­ten Stilis­ti­ka der Froberger’­schen Sprache wohl hier ihren Ursprung haben. Für Dres­den ste­hen zwei Stü­c­ke des Froberg­er-Fre­un­des Weck­mann, für Wien eine Toc­ca­ta des Kol­le­gen Alessan­dro Pogli­et­ti und Froberg­ers berühren­des Lamen­to auf den Tod Kaiser Fer­di­nand IV.
Im fol­gen­den, Paris gewid­me­ten Abschnitt gibt es eine sehr instruk­tive Gegenüber­stel­lung der Tombeaux auf den Tod eines gemein­samen Gön­ners, Mon­sieur Blan­croche, jew­eils aus der Fed­er Froberg­ers und Louis Couperins. In Lon­don schreibt Froberg­er eine Plainte („pour pass­er la melan­cholie“), während das Rhein­land ihm eine lebens­ge­fährliche Rhein-Über­querung zumutete („Faite en pas­sant le Rhin dans un bar­que en grande per­il“). Das anonyme ital­ienis­che Cem­ba­lo aus der Mitte des 17. Jahrhun­derts und das Meis­ter Labréche um 1680 zugeschriebene franzö­sis­che Instru­ment überzeu­gen hier durch­weg.
Die zweite CD bringt „Orgel­w­erke“: wiederum Stuttgart (mit Stei­gled­er), Wien (Ebn­er, Pogli­et­ti und Ker­ll), Rom (Michelan­ge­lo Rossi, Froberg­er und Lehrmeis­ter Giro­lamo Fres­cobal­di). Hasibed­er set­zt die hin­reißende Wöck­herl-Orgel äußerst far­big ein, bisweilen sog­ar avant­gardis­tisch- raf­finiert anmu­tend. Ihr Spiel ist vir­tu­os, inner­lich, stil­sich­er bewusst und von umfassender Metierken­nt­nis getra­gen. Die Auf­nah­men klin­gen sehr natür­lich in ihrer Räum­lichkeit. Eine „süf­fige“ Ein­spielung Alter Musik, die man gerne am Stück hören mag!

Chris­t­ian Brem­beck