French Organ Music of the 18th20th centuries
Werke von Pierre du Mage, César Franck, Marcel Dupré und Olivier Messiaen
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Hat sich hier eine hausgemachte Amateuraufnahme einer elektronischen Heimorgel ins seriöse Fachmagazin organ verirrt? Der verdiente emeritierte Professor für Musikpädagogik Karl-Jürgen Kemmelmeyer wandte sich 2015 dem Orgelspiel wieder zu, wie wir aus dem Booklet erfahren können, und lotet nun die Möglichkeiten seiner Johannus-Hausorgel (Modell Rembrandt 350, Bj. 2013) hier im Rahmen einer selbst aufgenommenen CD aus.
Kemmelmeyer möchte dabei gezielt die unterschiedlich gesampelten Stilrichtungen seines elektronischen Instruments vorstellen. Die verschiedenen Hallfunktionen sollen die Raumeindrücke und Orgelpositionen barocker und romantischer Originalinstrumente möglichst authentisch nachahmen. Das gelingt teil- bzw. ansatzweise bei der Präsentation einiger Zungenstimmen und eher bei geschmeidig romantischer Intonation. Die spuckenden, glucksenden und vollkommen unnatürlich klingenden Grundregister (fonds) sowie Aliquotmischungen im Livre dOrgue von Pierre du Mage überzeugen dagegen überhaupt nicht!
Grundsätzlich ist Kemmelmeyers Spiel solide, handwerklich in Ordnung. Doch scheint seine Rekonstruktion historischer Interpretation mit den Möglichkeiten seiner Hausorgel, so im Booklet zu lesen, kaum noch heutigen aufführungspraktischen Vorstellungen und interpretatorischen Ansprüchen zu genügen. Die verwendete Ausgabe (Schola cantorum 1951), keinerlei inegales Spiel und historisch so nicht belegbare Registrierungen (wohl in dieser Ausgabe indiziert) rücken diese Musik, abgesehen vom Instrument, nicht ins rechte Licht. Ich selbst übe auch an einer gesampelten elektronischen Hausorgel und bin, allein zu diesem Zweck, nicht generell gegen solche Surrogate. Bei einer CD-Aufnahme, so mein Fazit nach dem Anhören dieser lieb gemeinten Produktion, würde ich aber stets lieber auf Aufzeichnungen der wirklichen historischen Instrumente in entsprechender Spielweise zurückgreifen.
Stefan Kagl