French Organ Music of the 18th–20th centuries

Werke von Pierre du Mage, César Franck, Marcel Dupré und Olivier Messiaen

Verlag/Label: Fagott F-3911-8 (2017)
erschienen in: organ 2017/04 , Seite 59

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Hat sich hier eine haus­gemachte Ama­teu­rauf­nahme ein­er elek­tro­n­is­chen Heimorgel ins ser­iöse Fach­magazin organ verir­rt? Der ver­di­ente emer­i­tierte Pro­fes­sor für Musikpä­dagogik Karl-Jür­gen Kem­melmey­er wandte sich 2015 dem Orgel­spiel wieder zu, wie wir aus dem Book­let erfahren kön­nen, und lotet nun die Möglichkeit­en sein­er Johan­nus-Hau­sorgel (Mod­ell Rem­brandt 350, Bj. 2013) hier im Rah­men ein­er selb­st aufgenomme­nen CD aus.
Kem­melmey­er möchte dabei gezielt die unter­schiedlich gesam­pel­ten Stil­rich­tun­gen seines elek­tro­n­is­chen Instru­ments vorstellen. Die ver­schiede­nen Hall­funk­tio­nen sollen die Raumein­drücke und Orgel­po­si­tio­nen barock­er und roman­tis­ch­er Orig­i­nalin­stru­mente möglichst authen­tisch nachah­men. Das gelingt teil- bzw. ansatzweise bei der Präsen­ta­tion einiger Zun­gen­stim­men und eher bei geschmei­dig „roman­tis­ch­er Into­na­tion“. Die spuck­enden, gluck­senden und vol­lkom­men unnatür­lich klin­gen­den Grundregis­ter (fonds) sowie Aliquot­mis­chun­gen im Livre d’Orgue von Pierre du Mage überzeu­gen da­gegen über­haupt nicht!
Grund­sät­zlich ist Kem­melmey­ers Spiel solide, handw­erk­lich in Ord­nung. Doch scheint seine „Rekon­struk­tion his­torischer Inter­pre­ta­tion mit den Möglichkeit­en sein­er Hau­sorgel“, so im Book­let zu lesen, kaum noch heuti­gen auf­führung­sprak­tis­chen Vorstel­lun­gen und inter­pre­ta­torischen Ansprüchen zu genü­gen. Die ver­wen­dete Aus­gabe (Schola can­to­rum 1951), kein­er­lei inegales Spiel und his­torisch so nicht beleg­bare Reg­istrierun­gen (wohl in dieser Aus­gabe indiziert) rück­en diese Musik, abge­se­hen vom Instru­ment, nicht ins rechte Licht. Ich selb­st übe auch an ein­er gesam­pel­ten elek­tro­n­is­chen Hau­sorgel und bin, allein zu diesem Zweck, nicht generell gegen solche Sur­ro­gate. Bei ein­er CD-Auf­nahme, so mein Faz­it nach dem Anhören dieser lieb gemein­ten Pro­duk­tion, würde ich aber stets lieber auf Aufze­ich­nun­gen der wirk­lichen his­torischen Instru­mente in entsprechen­der Spiel­weise zurück­greifen.

Ste­fan Kagl