Schneider, Enjott

Drei Märchen für Erzähler und Orgel

Verlag/Label: Schott Music ED 21542
erschienen in: organ 2013/03 , Seite 62

Zum uner­schöpflichen mul­ti­me­di­alen Ange­bot an „Büch­ern und Musik“ speziell für Kinder gesellen sich nun zwei Neuer­schei­n­un­gen aus dem Hause Schott als Par­ti­turen zur Auf­führung für Orgel und Sprech­er. Bei bei­den Kom­po­si­tio­nen lohnt sich es auch für Erwach­sene, in die Märchen­welt dieser Erzäh­lun­gen einzu­tauchen.
In den Drei Märchen für Erzäh­ler und Orgel (2012) – Der Mönch und das Glöck­lein (ein japanis­ches Märchen), Die Palme und der Stein (ein afrikanis­ches Märchen) und Gott und der Friseur (ein islamis­ches Märchen) – von Enjott Schnei­der (geb. 1950) wird der auch in ein­er englis­chen Über­set­zung offerierte Text in kurzen Abschnit­ten rez­i­tiert und von vir­tu­osem Orgelk­lang „umspielt“, klan­glich kom­men­tiert und aus­gedeutet. Dazu braucht es neben dem Sprech­er eine zweiman­u­alige Orgel mit Schwell­w­erk, 16’ im Ped­al, unter­schiedliche Zun­gen sowie eine Klangschale für das japanis­che Märchen. Alle drei Märchen stellen in rhyth­mis­ch­er Hin­sicht vere­inzelt höhere Ansprüche, erfordern aber vor allem eine flex­i­ble Klang­fan­tasie zu Real­isierung etwa der Anweisun­gen „frag­il und gläsern schön“, „Schalmeik­lang / ara­bisch“ oder „witzig und lebens­froh“. Ins­ge­samt sind ein­er lebendi­gen und pit­toresken Aus­führung keine Gren­zen geset­zt.
Der Kom­pon­ist Rain­er Bohm, Jahrgang 1956, hat schon mehrere Märchen – Der Garten des Riesen oder Der Froschkönig – und christ­liche Leg­en­den in Musik geset­zt. Sein „szenis­ches Orgelmärchen“ für eine zweiman­u­alige Orgel mit Ped­al, Pauke und Sprech­er han­delt von den Bre­mer Stadt­musikan­ten. Die Re­­gistrierungsangaben erfordern etwa eine „weiche Zunge und eine Terz im Schwell­w­erk“ oder schlicht ein „16’-Register“. Auch hier sind ver­sierte tech­nis­che Fer­tigkeit­en zur Real­isierung der drama­tis­chen oder stim­mungsvollen Szenen erforder­lich, um das pit­toreske Geschehen hör­bar zu machen. Der zugrunde liegende Text, aufgeteilt in 56 kleine Sequen­zen, fol­gt wortwörtlich dem Märchen der Gebrüder Grimm. Auf ein­er der Par­ti­tur beiliegen­den CD-ROM sind 56 Aquarelle von Hart­mut Mezger aufgeze­ich­net, die in her­rlich far­bigen und lebendi­gen Bildern zum gesproch­enen Text und der Orgel­musik auf ein­er Lein­wand gezeigt wer­den sollen (kön­nen). Je nach­dem ob sich die vier Stadt­musikan­ten in aufre­gen­den oder fried­vollen Sit­u­a­tio­nen befind­en, wech­selt das ras­ante oder abge­brem­ste Tem­po mit Ele­menten ein­er lauf­freudi­gen Toc­ca­ta oder einem maßvoll-schre­i­t­en­den Choral.
Bei­de Kom­po­si­tio­nen sind im ver­traut­en tonalen Sys­tem geschrieben, ausgenom­men natür­lich die effek­tvoll-dis­so­nan­ten Beschrei­bun­gen von Schreck- oder hefti­gen Affek­t­si­t­u­a­tio­nen. Es mag dur­chaus möglich und sin­nvoll sein, bei­de nicht allzu lan­gen Werke in ein­er einzi­gen Konz­ertver­anstal­tung zu kom­binieren.

Chris­t­ian Ekows­ki