Die Orgeln von Tobias Heinrich Gottfried Trost (um 1680–1759)

2 CDs

Verlag/Label: Querstand VKJK 0813 (2009)
erschienen in: organ 2010/04 , Seite 50

Bew­er­tung: 4 Pfeifen

Der im Thüringis­chen behei­matete Orgel­bauer Tobias Hein­rich Got­tfried Trost wird wie kaum ein ander­er mit Johann Sebas­t­ian Bach in Verbindung gebracht, der nachweis­lich 1739 die Orgel der Schlosskirche Altenburg besucht hat­te. Gewiss tra­gen die Instru­mente Trosts den spez­i­fis­chen Anforderun­gen spät­ba­­­ro­cker Orgel­musik aus dem mit­tel­deut­schen Raum in ger­adezu per­fek­­ter Weise Rech­nung. Neben einem grav­itätis­chen Plenum find­en sich beson­ders im Bere­ich der Grund­stimmen vielfältig­ste Far­ben und Kom­bi­na­tion­s­möglichkeit­en, die dem sich hierin ankündi­gen­den „empfind­samen Stil“ huldigen.
Die vor­liegende Pro­duk­tion vere­inigt denn auch kon­se­quent Werke Bachs mit solchen aus seinem unmit­tel­baren (Schüler-)Umfeld. Neben dem an zweit­er Stelle vertrete­nen Johann Lud­wig Krebs find­en sich Kom­po­si­tio­nen von Johann Chris­t­ian Kit­tel, Johann Peter und Johann Christoph Kell­ner sowie Choral­vari­a­tio­nen von Ehren­fried Chris­t­ian Trau­gott Krebs. Das Remake stellt eine Kom­pi­la­tion älter­er Auf­nah­men aus der Zeit von 1998 bis 2008 dar.
Der CD ist ein umfan­gre­ich­es dreis­prachiges Book­let im DVD-For­mat beigegeben, in dem Felix Fried­rich gewohnt kennt­nisreich über die Orgel­baut­en Trosts informiert. Hier find­en sich neben ansprechen­den Farb­fo­tos auch detail­lierte Erläuterun­gen zu den Werken und sämt­liche Reg­istrierun­gen, so dass keine Wün­sche offen bleiben.
Felix Friedrich bewegt sich als lang­jäh­ri­ger Organ­ist der Altenburg­er Schloss­kirche und Krebs-Spezial­ist hör­bar in seinem Ele­ment. Seine Inter­pre­ta­tio­nen zeu­gen von pro­fun­der Ken­nt­nis der Materie und gutem Geschmack, wen­ngle­ich den Hör­er auch keine größeren Über­raschun­gen erwarten. Beein­druck­end sind die ger­adezu rus­tikalen terzhalti­gen Plenomi­schun­gen und die betörend schö­nen Flöten, etwa in BWV 654. Einen direk­ten Ver­gle­ich der Orgeln von Großen­got­tern und Wal­ter­shausen ermöglicht die zweifach aufgenommene Fan­ta­sia à gus­to ital­iano von Johann Lud­wig Krebs. Die baro­cken „Schnur­rpfeifer­eien“ wie Zim­belstern und Glock­en­spiel set­zt Fried­rich wirkungsvoll ein. Die meist kürz­eren Stücke ermöglichen eine abwech­slungsre­iche Präsen­ta­tion jed­er Orgel. Gerne hätte man allerd­ings neben den wun­der­baren Grund­stim­men auch noch die eine oder andere Solozunge gehört.
Bei der Fülle unter­schiedlich­er Stü­cke erweist sich dann doch nicht jedes als inter­pre­ta­torisch­er Glücks­griff. Bachs Gigue-Fuge (BWV 577) ist merk­würdig ver­schleppt, der im Begleit­text her­aus­gestellte „bril­lante Zuschnitt“ bleibt lei­der auf der Strecke. Verzicht­bar wäre auch das kom­pos­i­torisch mäßige Werk von E. Ch. T. Krebs gewe­sen, zumal es die von Trost umge­baute Donat-Orgel der Schlosskirche Eisen­berg sowohl in Bezug auf die Wind­ver­sorgung wie auch die mod­i­fiziert mit­teltönige Stim­mung gle­ich mehrfach an ihre Gren­zen führt. Angesichts der repräsen­ta­tiv­en, ins­ge­samt gelun­genen Pro­duk­tion bleiben solche Ein­wände allerd­ings mar­gin­al.
Axel Wilberg