Die Orgel in Raum und Zeit

Eine Bestandsaufnahme im Kanton Luzern

Verlag/Label: Luzern 2022 (Schriftenreihe Kantonale Denkmalpflege Luzern 03), 152 Seiten, farb. Abb. Bezug: sekretariat. denkmalpflege@lu.ch
erschienen in: organ - Journal für die Orgel 2022/03 , Seite 58

Die wesentliche Ziel­gruppe dieses groß­for­mati­gen, kar­tonierten und üppig illus­tri­erten Ban­des ist offen­bar die kun­st- und denkma­l­in­ter­essierte Öffentlichkeit jen­seits der über­schaubaren Gruppe von Organ­is­ten und Orgel­bauern. Das erschließt „unserem“ Instru­ment gewiss neue Fre­un­deskreise, wozu auch die flüs­sig for­mulierten Ein­führung­s­texte beitra­gen; sie gehen sowohl auf die Funk­tion und Geschichte der Orgel im All­ge­meinen ein als auch auf die Vielfalt der im Kan­ton­s­ge­bi­et vorhan­de­nen Instru­mente von der Barockzeit bis zur Gegen­wart (Mar­co Bran­daz­za und Her­bert Ulrich). Anhand einiger Beispiele erläutert Georg Carlen denkmalpflegerische Aspekte.
Etwa zwei Drit­tel des Buch­es sind ein­er eng ras­tri­erten Bestand­sauf­nahme gewid­met. Diese verze­ich­net alle bekan­nten Orgeln, geord­net nach Wahlkreisen. Zu er­klären ist diese Ein­teilung mit dem Erfas­sungssys­tem der kan­tonalen Denkmalpflege; sie ist jedoch für Außen­ste­hende schw­er hand­hab­bar, da es kein Ort­sreg­is­ter gibt. Neben einem Foto bietet dieses Inven­tar die Stan­dor­tangaben, das Bau­jahr des Auf­stel­lungs­ge­bäudes und den Namen des Architek­ten. Von den Instru­menten selb­st erfährt man das Bau­jahr, die Werk­statt sowie die Anzahl der Man­uale und Reg­is­ter; manch­mal fol­gt eine Anmerkung etwa zum Vorgänger­w­erk. Somit wer­den gewichtige Expo­nen­ten wie die Bossert-Orgel in der ehema­ligen Klosterkirche von St. Urban, das grandiose Ensem­ble in der Luzern­er Hofkirche oder die Neubaut­en im dor­ti­gen Konz­erthaus und der nahen Lukaskirche im Informa­tions­gehalt auf eine Stufe mit Serien­positiven gestellt. Dies führt zu inhaltlich­er Unwucht und ist jam­mer­schade. Lit­er­aturhin­weise enthal­ten die Ein­träge selb­st nicht; sie sind dem Verze­ich­nis am Ende des Ban­des zu ent­nehmen und den einzel­nen Orgeln zuzuordnen.
Gewiss set­zten die Vor­gaben der gesamten Schriften­rei­he sowohl für die grafis­che Gestal­tung als auch die fach­liche Aus­rich­tung Maßstäbe bzw. Gren­zen. Fern­er ist sich der Autor dieser Zeilen sehr wohl der Prob­lematik bewusst, die Bestand­sauf­nah­men hin­sichtlich ihrer Voll­ständigkeit, Aktu­al­ität und Auswahl der gebote­nen Infor­ma­tio­nen stets stellen. Doch allein der immense Aufwand für die Bilder hätte zumin­d­est bei eini­gen Orgeln eine Würdi­gung ihrer musikalis­chen Aus­sage mehr als gerecht­fer­tigt, vielle­icht sog­ar die Wieder­gabe der einen oder anderen Dis­po­si­tion. Auch und ger­ade noch nicht Eingewei­hte hät­ten dadurch die Chance, sich mit der kün­st­lerischen Kom­plex­ität des Sys­tems Orgel inten­siv­er auseinan­derzuset­zen. Eben­so sollte die Genese verän­dert­er Orgeln am konkreten Beispiel zumin­d­est für die wichtigs­ten Restau­rierungss­chritte nachvol­lziehbar sein.
Sollte sich eine weit­ere Gebi­et­skör­per­schaft zu ein­er solchen Doku­men­ta­tion entschließen, wäre zu über­legen, das Vollinven­tar elek­tro­n­isch und damit flex­i­bler zu pub­lizieren. In der Druck­aus­gabe wäre dann genü­gend Raum, repräsen­ta­tive Orgeln aus­führlich­er vorzustellen. Den­noch: Die Edi­tion macht Lust darauf, im Kan­ton Luzern auch entle­genere Orgelschätze in architek­tonisch inter­es­san­ter Umge­bung zu ent­deck­en. Gelingt es oben­drein, neues Pub­likum zu begeis­tern, dann ist mit diesem Engage­ment viel gewonnen.

Markus Zim­mer­mann