Werke von Johann Jacob Froberger, Carl Philipp Emanuel Bach, J. S. Bach, W. A. Mozart und Olivier Messiaen

Die neue Ahrend-Orgel — Dreieinigkeitskirche Regensburg

Roman Emilius, Orgel

Verlag/Label: Spektral, SRL4-20185 (2021)
erschienen in: organ - Journal für die Orgel 2021/04 , Seite 61

Bew­er­tung: 4 von 5 Orgelpfeifen

Um mehrere bemerkenswerte Neubaut­en ist die Regens­burg­er Orgel­land­schaft in jün­ger­er Ver­gan­gen­heit gewach­sen: die „Papst-Benedikt-Orgel“ der Fir­ma Math­is in der „Alten Kapelle“ und die durch ihre freie Aufhän­gung beson­ders spek­takuläre Rieger-Orgel im Dom St. Peter. Nun kommt auf evan­ge­lis­ch­er Seite ein weit­eres Instru­ment hinzu: In der Dreieinigkeit­skirche wurde nach lan­gen Pla­nungs­jahren das Pro­jekt ein­er „Bach-Orgel“ real­isiert, für welche die Fir­ma Ahrend aus Leer den Auf­trag bekom­men hatte.
Ziel war es, wie der Name schon ver­rät, eine Orgel zu erricht­en, die den tech­nis­chen und ästhetis­chen Vorstel­lun­gen J. S. Bachs entspricht, oder, wie es in der Auss­chrei­bung genauer hieß, eine Orgel „im Charak­ter des späten Barock mit­teldeutsch­er Prä­gung“ mit ein­er Klangqual­ität voll „Grav­ität, Bril­lanz und Poe­sie“. Dabei soll­ten der erhal­tene his­torische Prospekt eines 1758 vom Regens­burg­er Orgel­bauer Franz
Jakob Späth in der Dreieinigkeit­skirche errichteten Werks sowie einige wenige seit damals erhal­tene Prinzi­palpfeifen ein­be­zo­gen wer­den. Real­isiert wurde let­ztlich eine dreiman­u­alige Orgel mit Haupt‑, Ober- und Echow­erk, welche die Dis­po­si­tion der früheren Späth-Orgel in Grundzü­gen auf­griff, aber von ehe­mals 26 auf 48 Reg­is­ter erweit­erte und ins­beson­dere um Zun­gen- und eng men­su­ri­erte Stre­ich­er­stim­men ergänzte.
Die vor­liegende CD präsen­tiert fast voll­ständig das Pro­gramm des Eröff­nungskonz­erts vom Sep­tem­ber 2020, das Regens­burgs Stadt- und Dekanatskan­tor Roman Emil­ius gestal­tete. Natür­lich ist J. S. Bach, auf dessen Klangvorstel­lun­gen das neue Instru­ment aus­gerichtet ist, repräsen­ta­tiv vertreten: zunächst mit der pop­ulären d‑Moll-Toc­ca­ta, die mit ihren schnellen Läufen und vollen Akko­r­den die gelun­gene tech­nis­che Leis­tung­sprobe der neuen Orgel bedeutete, eben­so wie später Bachs c‑Moll-Pass­caglia. Fast unhör­bar intoniert Emil­ius hier im Ped­al deren ruhig schre­i­t­en­des The­ma und lässt sich in den fol­gen­den Vari­a­tio­nen Zeit für eine allmäh­liche dynamis­che Steigerung bis hin zu den Schlusstak­ten, in denen er den mächti­gen 32’-Posaunenbass hinzuzieht, welch­er die „Grav­ität“ der neuen Orgel unterstreicht.
Selb­stver­ständlich ist nicht nur Bachs Musik auf dem Instru­ment adäquat darstell­bar, wie das his­torisch bre­it gestreute Pro­gramm dieser CD zeigt. Im allmäh­lichen Klan­gauf­bau bei ein­er Fan­ta­sia Johann Jakob Froberg­ers sind die Reg­is­ter gut in ihrer indi­vidu­ellen Charak­ter­is­tik zu unter­schei­den: von den Prinzi­palen des Hauptwerks bis hin zu den Aliquoten, Mix­turen und Zun­gen­stim­men aller Man­uale sowie des Ped­als. Das hier einge­set­zte Echow­erk kommt aber­mals effek­tvoll in Carl Philipp Emanuel Bachs Aus der Tiefen rufe ich zum Zuge. Ver­spiel­ter geht es in ein­er von Roman Emil­ius arrang­ierten Suite nach Motiv­en aus Mozarts Zauber­flöte zu, wo er mit dem Car­il­lon hüb­sche Glöckch­en­ef­fek­te erzielt. Das 20. Jahrhun­dert schließlich ist mit Olivi­er Mes­si­aens Chants d’oiseaux vertreten, bei denen Emil­ius wun­der­volle Vogel­stim­men-Imi­ta­tio­nen aus der Orgel hervorzaubert.

Ger­hard Dietel